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01. Juli 2022


Von: REDAKTION

DRIVE MY CAR

Wenn die unterkühlten Bilder weinen: Selten wurde das Thema Trauer so einfühlsam und lebensecht aufgearbeitet wie im diesjährigen japanischen Oscar-Preisträger DRIVE MY CAR, der nun im Heimkino vorliegt.

Der in sich gekehrte Theaterregisseur Yusuke Kafuku (Hidetoshi Nishijima) erhält die Diagnose, dass er an einer unheilbaren Augenkrankheit leide. Zu seinem körperlichen Leiden gesellt sich ein seelisches: Seine (untreue) Ehefrau und Drehbuchautorin Oto (Reika Kirishima) stirbt nach einer Hirnblutung plötzlich. Zusammen arbeiteten sie an einer Umsetzung von Anton Tschechows „Onkel Wanja“, die nun auf einem Theaterfestival in Hiroshima aufgeführt werden soll. Kafuku bekommt für die Fahrten vom Hotel zum Theater – so will es ein Reglement – eine Fahrerin für seinen Saab 900 zugeteilt. Nach anfänglicher Skepsis an seiner Chauffeurin, der jungen Tôko Miura (Misaki Watari), erkennen die Beiden, dass sie mit ähnlichen seelischen Wunden zu kämpfen haben...

Die Verfilmung einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami taucht tief ein in den Alltag der beiden Protagonisten, zeigt Leseproben – in denen Kafukus einstiger, in der Titelrolle besetzter Nebenbuhler Kōji Takatsuki sich extrovertiert deutlich hervortut – ebenso detailreich wie die gemeinsamen Autofahrten der beiden in sich gekehrten, gebrochenen Menschen, die sich einander nur langsam öffnen. Lange Einstellungen gehen einher mit (beinahe) kompletten Verzicht auf Musik. Regisseur Ryūsuke Hamaguchi setzt in seinem enorm ruhig erzähltem Drama mit unprätentiösem Realismuskonzept buchstäblich auf zwischenmenschliche Töne, die in ihrer Subtilität eine umso stärkere Wirkung entfalten – wenn man sich denn darauf einlassen kann.

Ähnlich puristisch ist die Ausstattung der DVD geraten. Die Scheibe von Rapid Eye Movies beinhaltet als Bonus nur einen Trailer und die weitere Auswahl begrenzt sich auf den Hauptfilm in Japanisch, wahlweise mit oder ohne Untertitel. Gerade bei diesem tiefgründigen Drama hätte etwas mehr inhaltliche Prosa nicht geschadet.

LUTZ GRANERT

Titel: DRIVE MY CAR
Label: Rapid Eye Movies
Land/Jahr: Japan 2021
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 179 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

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