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23. September 2026


Von: LILI SCHMIRGAL

Knapp und Blickdicht

MIRU TIGHTS ist ein Anime, der gar nicht erst versucht, so zu tun, als ginge es um etwas anderes als um das, was der Titel verspricht: Strumpfhosen. Und zwar in allen denkbaren Varianten – glänzend, matt, blickdicht, transparent, tropfnass, vom Regen benetzt oder gar vom Unterrichtsstress leicht zerknittert. Wer hier nach tiefgründiger Handlung sucht, findet höchstens den Glanzgrad der Strumpfhosen.

Die Handlung ist bewusst minimalistisch gehalten. Wir begleiten drei Oberschülerinnen – Yua, Ren und Homi – durch ihren Alltag. Unterricht, Regenpausen, Yoga‑Übungen, Café‑Besuche. Das klingt banal, aber MIRU TIGHTS verwandelt diese Szenen in kleine, fast meditative Momentaufnahmen. Die Kamera gleitet stillschweigend vor sich hin, verweilt genüsslich auf Details, und manchmal hat man das Gefühl, der Anime würde gleich eine wissenschaftliche Dokumentation über die Elastizität von Nylon starten - und dabei über die Bequemlichkeit selbiger sinnieren.

Wenn Homi sich also über eine Laufmasche aufregt, wirkt das wie ein dramatischer Plot‑Twist – fast als würde Gevatter Tod bereits an die Tür klopfen. Und ringt der hübsche Ren ihre Strumpfhose nach dem Regen aus, könnte man meinen, die Welt halte vor absoluter Spannung still. Und Yua, die heimliche Königin der „Ich habe meine Tights schon wieder falsch angezogen“-Momente, sorgt regelmäßig für kleine Slapstick‑Einlagen, denn nur eine richtig angezogene Strumpfhose sitzt bekanntermaßen unter jedem Rock.

Eine Kamera für die Strumpfhose

Visuell ist MIRU TIGHTS, trotz der Kürze der Episoden, absolut ein Augenschmaus - nicht nur für Nylon-Fetischisten. Die Animationen wirken weich, was der vor sich hinplätschernden Handlung Genüge tut. Die bewusst weich gewählte Farben mit ihren zarten Pastelltönen sorgt für passende Lichtreflexe auf dem Stoff und der darunterliegenden Haut ohne anstößig zu wirken. Man merkt, hier steckt ein Team dahinter, das wirklich liebt, was es animiert. Die kurzen Episoden – meist nur wenige Minuten – wirken daher wie kleine Kunststudien für Mode. Man könnte fast sagen: MIRU TIGHTS ist der „Slow TV“-Anime für alle, die sich gerne in Details verlieren. Zudem stecken in den Strumpfhosen nicht immer makellose dünne Beine – sondern die Damen haben verschiedene Größen und Konturen – Nylon ist eben für jedermann.

Die Musik bleibt dabei betont zärtlich, denn sie steht hier nicht im Vordergrund. Figuren und ihre geliebten Strumpfhosen dominieren, für großspurige Orchester-Aufnahmen ist hier kein Platz. Dem Anime aber entgeht dadurch nichts, sind die Bilder um die hautengen Modesünden jede einzelne Sekunde Wert – Musik braucht es, gerade aufgrund der schwärmenden Damen, bei weitem nicht.

Fazit:

Natürlich bleibt die Serie ein Nischenprojekt. Wer eine epische Story, Charakterentwicklung oder Action sucht, wird hier nicht fündig. Aber wer eine ästhetische, humorvolle und charmant überzeichnete Alltagsserie möchte, die sich selbst nicht zu ernst nimmt, bekommt ein ungewöhnliches kleines Juwel, dass den Fokus auf ein alltägliches Kleidungsstück legt, das sonst fast im Auge verloren geht bei all dem, was es sonst bedeckt – oder gar versteckt – ob Hose oder langer Rock … oder zu viel Haut.

Titel: MIRU TIGHTS
Land/Jahr: Japan 2019
Label: Polyband Anime
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 65 Min.

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