15. September 2026
Das Squad auf Abwegen
DC meets Anime – anders lässt sich SUICIDE SQUAD ISEKAI nicht beschreiben. Mit dem Anime wagt Warner Bros. Japan und das bekannte Studio WIT („Attack on Titan“, „Spyx Family“) den Spagat zwischen westlichen Superhelden-Comics und japanischer Anbet- ähem – Anime-Kultur. Das Squad verschlägt es, genregerecht, in eine andere Welt, in der einmal mehr gilt: ordentlich gekloppt, überlebt, dann gefragt.
Die Handlung beginnt zunächst vertraut: Amanda Waller schickt eine neue Besetzung der Suicide Squad auf eine Mission. Zum Team gehören jedoch Harley Quinn, Deadshot und die Neuzugänge Peacemaker, Clayface und King Shark. Statt in irgendeinem Krisengebiet landen die betitelten Schurken durch ein Portal in einer anderen Welt voller Drachen, Magie, Ritter und politischer Intrigen – getreu dem „Isekai“-Prinzip: Figuren werden in eine fremde Fantasy-Welt versetzt und müssen dort überleben.
Natürlich wäre die Suicide Squad nicht die Suicide Squad, wenn sie dabei nicht alles in ihrer Umgebung ins Chaos stürzen würde. Zwischen Orks, Elfen und Königreichen lösen Harley und ihre Mitstreiter ungefähr so viele Probleme, wie sie neue verursachen – wobei die Figuren mit ihren eigenwilligen Persönlichkeiten nicht nur Verbünde in Feinden finden, sondern so manch einem Schrecken selbst das eisige Fürchten lehren.
Ein Stil, der nach Anime schreit
Schon die ersten Minuten machen deutlich, dass Studio WIT keinen westlichen, animehaften DC-Cartoon auf die Mattscheibe zaubern möchte. Die Charakterdesigns basieren auf Entwürfen von Akira Amano, die unter anderem durch „Katekyo Hitman Reborn!“ bekannt wurde. Dadurch wirken Harley Quinn und Co. zwar deutlich animehafter, ohne aber ihre charakterlichen Merkmale zu verlieren. So kommt Harley Quinn mit ihren pink-blauen Zöpfen daher und Joker mit weißer Haut und den bekannten, grünen Haaren.
WIT Studio, das unter anderem an „Attack on Titan“ und „SPY×FAMILY“ beteiligt war, liefert dabei eine insgesamt hochwertige Produktion ab, wie Anime-Fans sie bereits gewohnt sind. Für Neueinsteiger, die sonst eher auf westliche Comic-Adaptionen aus sind, könnte mit SUICIDE SQUAD ISEKAI ein erster Einstieg in die Animes glücken. Die Actionszenen lassen, wie bereits in den Realfilmen, nichts missen. Harley Quinns akrobatische Kampftechnik kommt mit all ihrer Schnelligkeit und Präzision ebenso zu tragen wie Deadshots lässiger Umgang mit seinen geliebten Waffen.
Die Fantasy-Welt wirkt leider stellenweise etwas generisch,üppig grüne Wälder mit lauschigen Flüssen und prachtvollen Burgen dominieren das Bild, wobei sie trotz aller Schönheit niemals dominieren. Vielleicht aber war das ein Wunsch des Studios, damit die DC-Schurken (?) mit all ihrer Exzentrik das Bild beherrschen – und nicht Magie und Schönheit. Schließlich begegnet man nicht jeden Tag einer Harley Quinn, die fröhlich durch ein mittelalterliches Königreich springt und dabei für maximale Kollateralschäden sorgt.
Treu den Wurzeln
Die wohl wichtigste Frage für DC-Fans lautet: Fühlen sich die Charaktere wie ihre Vorbilder an? Die erfreuliche Antwort lautet größtenteils ja. Harley Quinn steht klar im Mittelpunkt und bleibt die unberechenbare Mischung aus Wahnsinn, Charme und Selbstüberschätzung, die Fans seit Jahren lieben. Deadshot übernimmt erneut die Rolle des vergleichsweise rationalen Teammitglieds – der nicht selten versucht – und scheitert –, die flippige Harley zu bändigen.
Natürlich gibt es Anpassungen an den Anime-Stil. Einige Charaktereigenschaften werden bewusst etwas überzeichnet, um besser zum Format zu passen. Dennoch hat man selten das Gefühl, völlig neue Figuren vor sich zu haben. Die Autoren verstehen, weshalb Harley, Deadshot oder King Shark bei DC-Fans beliebt sind, und bewahren deren grundlegende Identität.
SUICIDE SQUAD ISEKAI versucht nicht, klassische Batman-Geschichten nachzuerzählen oder das gesamte DC-Universum in seiner tiefgreifenden Vielfalt abzubilden. Stattdessen nimmt der Anime die bekannten Charaktere als Fundament und fragt: „Was passiert eigentlich, wenn wir diese Chaostruppe in eine Fantasy-Welt werfen?“
Fazit
SUICIDE SQUAD ISEKAI“ist kein Meilenstein der Anime-Geschichte und auch nicht die definitive Version der Suicide Squad. Dennoch zeigt die Serie, wie spannend eine Zusammenarbeit zwischen japanischer Anime-Kultur und westlichen Comicfiguren sein kann. Die Geschichte ist unterhaltsam, die Animation meist stark und die Charaktere bleiben ihren DC-Wurzeln überraschend treu. Vor allem Harley Quinn trägt die Serie mühelos über kleinere Schwächen hinweg. Und seien wir ehrlich: Wenn eine psychopathische Ex-Psychiaterin mit Baseballschläger gegen Fantasy-Monster kämpft und dabei noch gute Laune verbreitet, hat man entweder eine sehr schlechte Idee oder eine ziemlich unterhaltsame Anime-Serie vor sich. Glücklicherweise trifft hier Letzteres zu.
Land/Jahr: Japan 2024
Label: Polyband Anime
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 250 Min.
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