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09. September 2026


Von: FLORIAN TRITSCH

Kein Jesusfilm für die Familie

Nicolas Cage als Josef von Nazareth, düsterer Horror und der Teufel als unheimlicher Szenendieb? PROPHECY OF THE DEVIL klingt zunächst nach einem ziemlich wilden Genre-Experiment – und genau das ist er auch, aber im besten Sinne. Regisseur Lotfy Nathan nimmt seine Vorlage dabei aber erstaunlich ernst und liefert einen unglaublich interessanten Film.

Welche Bedeutung Jesus Christus für die christliche Religion hat, stellt vermutlich niemand infrage. Doch abseits aller strenggläubigen Interpretationen, mit denen (teils fundamental-)christliche US-Studios gerade den Markt schwemmen, musste sich der christliche Messias schon so manche kontroverse Sichtweise gefallen lassen. Von der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ über Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“, die einen eher zweifelnden Jesus zeigt bis hin zur kanadischen Trash-Perle „Jesus Christ Vampire Hunter“, in der nun ja … sagen wir, eine etwas andere Seite des Messias zum Vorschein kommt, war hier schon viel geboten.

In diese Aufzählung darf sich jetzt auch PROPHECY OF THE DEVIL vom bisher wenig bekannten Autorenfilmer Lotfy Nathan einreihen, der die Geschichte des jungen Jesus kurzerhand als Horrorfilm erzählt. Dabei beginnt die Geschichte zunächst recht klassisch: König Herodes weist seine Soldaten an, alle männlichen Neugeborenen zu töten – ein Massaker, das Nathan übrigens schonungslos inszeniert. Glücklicherweise können ein uns wohlbekannter Zimmermann (Nicolas Cage), seine Frau (FKA Twigs) und ihr Kind dem Blutbad entrinnen und sich nach Ägypten absetzen.

Dann folgt, mehr oder weniger als in der Bibel, ein Zeitsprung: 15 Jahre sind vergangen. Mittlerweile hat die Familie eine kleine Hütte bezogen und lebt in eher bescheidenen Verhältnissen. Josef versucht, seinen Sohn von den Schrecken der Welt fernzuhalten. Doch der junge Jesus (Noah Jupe) wird sich zunehmend der bösartigen spirituellen Kräfte bewusst, die ihn umgeben. Gleichzeitig ist er natürlich auch ein Teenager und beginnt, Interesse am anderen Geschlecht zu entwickeln – in diesem Fall am hübschen Nachbarsmädchen Lilith (Souheila Yacoub) …

Mit dem Eintreffen in Ägypten wird PROPHECY OF THE DEVIL zunächst deutlich ruhiger. Nathan nimmt spürbar Tempo heraus und beleuchtet das Leben der biblischen Familie und die Spannungen, die sich zwischen den dreien entwickeln, erstaunlich geruhsam. Wie wichtig diese Szenen sind, erschließt sich tatsächlich erst am Ende.

Längere charaktergetriebene Momente sind im Genre zumeist ein Wagnis, da man als Zuschauender recht schnell das Interesse verlieren kann. Doch PROPHECY OF THE DEVIL gelingen diese figurenzentrierten Momente überraschend gut, weil Nathan seine Geschichte und Figuren ernst nimmt und eben keinen billigen Jesus-Schocker mit schablonenhaften Figuren abliefert. 

Zum anderen funktioniert das natürlich auch wegen des Casts, der hier ohne Ausnahme zu überzeugen weiß. Nicolas Cage, der sich durch zahlreiche Auftritte in billig heruntergekurbelten B-Filmen mittlerweile ein trashiges Image erarbeitet hat, kann hier einmal mehr zeigen, dass er ein exzellenter Schauspieler sein kann und sein Oscar im Jahr 1996 für „Leaving Las Vegas“ keineswegs ein Betriebsunfall der Academy war. 

Auch das restliche Ensemble macht seine Sache ausgezeichnet. Allen voran „A Quiet Place“-Darsteller Noah Jupe als junger Jesus, dem er eine glaubwürdige Mischung aus jugendlicher Unsicherheit und zunehmend düsterer Ahnung verleiht. Gerade im Zusammenspiel der beiden funktioniert das Familiengefüge erstaunlich gut und trägt wesentlich dazu bei, dass PROPHECY OF THE DEVIL hier interessant bleibt. Gleichfalls überzeugen kann auch FKA Twigs, die hier zum zweiten Mal vor der Kamera steht. Die Rapperin verleiht der „Mutter Gottes“ eine interessante Präsenz, die ihre eher schwache Performance in „The Crow“ definitiv vergessen macht.

Doch natürlich bleibt es nicht so ruhig, denn Nathan gestaltet seine Geschichte alsbald deutlich mystischer und verrückter – und natürlich darf dabei auch einer der mittlerweile typischen Cage-Ausraster nicht fehlen, die längst zu seinem Markenzeichen geworden sind. Vor allem sind es jedoch die Momente mit Isla Johnston, die den Film deutlich aufwerten. Sie verkörpert – auch wenn ihre Figur nicht namentlich als solche bezeichnet wird – den Teufel und erweist sich dabei als klarer Szenendieb. Wann immer sie auftaucht, zieht sie unweigerlich die Aufmerksamkeit auf sich.

Auch optisch gefällt PROPHECY OF THE DEVIL auf voller Linie: Nathan findet für seinen episodisch aufgebauten Film immer wieder starke und eindrucksvolle Bilder und beweist dabei ein gutes Gespür für Atmosphäre. Statt die Geschichte mit klassischen Horroreffekten zu überladen, setzt er häufig auf eine düstere, beinahe traumartige Atmosphäre, die hervorragend zur Geschichte passt und dem Film auch visuell eine ganz eigene Identität verleiht.

PROPHECY OF THE DEVIL entpuppt sich als Mischung aus biblischer Erzählung, mystischem Horror und psychologischem Drama – das wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, funktioniert allerdings erstaunlich gut. Lotfy Nathans Film nimmt seine biblische Vorlage ernst, besitzt aber zugleich den Mut, sie auf eigenwillige Weise neu zu interpretieren und daraus einen interessanten, ungewöhnlichen Horrorfilm zu machen. Wer bereit ist, sich auf Nathans ungewöhnliche Interpretation einzulassen, bekommt hier einen spannenden Film geboten.

Title: PROPHECY OF THE DEVIL
Land/Jahr: USA/Frankreich 2026
Label: PLAION PICTURES
FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 94 Min.

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