Falscher Papst
Die Zeiten sind hart … das muss nun auch die katholische Kirche feststellen. In der neuen Komödie von Regisseur Sylvain Estibal trifft das sogar den Vatikan, mit sonderbaren Folgen …
Der Uruguayer Sylvain Estibal machte 2011 mit der großartigen Tragikomödie „Das Schwein von Gaza“ auf sich aufmerksam. Der Film schaffte es, gleichzeitig ein wichtiges und durchaus schwieriges Thema einfühlsam zu beleuchten und dabei bestens zu unterhalten. Nicht wenige sahen in Estibal damals eine der großen neuen Stimmen des Arthouse-Kinos. Doch danach wurde es erst einmal erstaunlich ruhig um den Regisseur. Nun kehrt er zurück – und widmet sich einem Thema, das man aktuelle oft hört: Die Kassen sind leer.
In PAPAMOBIL – EIN PAPST ON TOUR trifft es diesmal allerdings weder eine Firma noch eine Kommune oder die Krankenkassen, sondern die katholische Kirche höchstselbst. Und das ausgerechnet zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der französische Papst (Kad Merad) möchte nach Lateinamerika reisen und dort nicht nur ein paar Termine absolvieren, sondern gleich eine ganze Reihe von Reformen auf den Weg bringen. Das Problem: Dafür fehlt das nötige Geld.
Doch Rettung scheint in Sicht. Großzügige Spender bieten ihre Hilfe an – allerdings unter einer Bedingung: Der Papst soll einen ganz besonderen Ort besuchen. Was zunächst nach einer willkommenen Gelegenheit aussieht, entpuppt sich vor Ort allerdings als Falle. Hinter der großzügigen Spende steckt nämlich ein Drogenkartell, das nichts Geringeres im Schilde führt, als das Oberhaupt der katholischen Kirche zu entführen.
Dumm nur für die Gangster, dass sie sich ausgerechnet das falsche Kirchenoberhaupt geschnappt haben. Denn der Papst ist gar nicht selbst angereist, sondern hat kurzerhand sein Double vorgeschickt. Und so stehen die Entführer plötzlich mit einem Ersatzmann da, während das echte Kirchenoberhaupt weit entfernt von der Gefahrenzone ist.
Nach „Das Schwein von Gaza“ hätte man sich von Estibal durchaus etwas mehr Hintersinn und vielleicht auch die eine oder andere bissige, durchaus berechtigte Kritik an der katholischen Kirche gewünscht. PAPAMOBIL – EIN PAPST ON TOUR ist nämlich überraschend wenig Satire. Stattdessen handelt es sich in erster Linie um eine klassische Doppelgängerkomödie.
Das ist vielleicht nicht bahnbrechend und schon gar nicht die große gesellschaftskritische Komödie, die man nach Estibals früherem Erfolg erwarten könnte. Dafür ist der Film angenehm unkompliziert und bietet einige durchaus amüsante Situationen.
FLORIAN TRITSCH

Titel: PAPAMOBIL – EIN PAPST ON TOUR
Regie: Sylvain Estibal
Label: Lighthouse
Land/Jahr: Frankreich 2025
Laufzeit: ca. 87 Min.
FSK: 16
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