29. Juni 2026
Ein Streit in der Nachbarschaft
Ein Automechaniker und ein Influencer? Eine Kombination, die so gar nicht passen mag – zumindest auf den ersten Blick. Kou Hirokawa liefert mit ihrer Boys-Love-Geschichte CAN’T FIX THESE FEELINGS eine lustig-liebevolle Geschichte über den Automechaniker Kumazawa und den überaus quirligen Influencer Koichi, der mit Beziehungsratschlägen als Influencer Geld verdient – wobei Letzterer alles andere als ein waschechter Profi ist.
Manch ein Nachbar ist der Nerventod – das muss auch Automechaniker Kumazawa feststellen, denn sein Nachbar arbeitet nachts – und das nicht gerade leise. Ein Influencer kann sich seine Zeiten eben aussuchen. Für Kumazawa ist das nicht hinnehmbar, muss der Mechaniker doch früh anfangen und in der Nacht seinen verdienten Schlaf nachholen. Als er seinen Nachbarn zur Rede stellt und sie mehr als hitzig diskutieren, endet diese Auseinandersetzung ungewöhnlich: mit einem Kuss. Kumazawa, eigentlich absolut unerfahren in Sachen Liebe und eher der Introvertierte, nimmt das trotz allem sehr gelassen auf – hingegen fragt sich Koichi, was er da gerade getan hat. Dabei ist er der Extrovertierte und dürfte seine Handlung gar nicht hinterfragen, noch weniger in seinem selbsterklärten Berufsstand als Beziehungsinfluencer.
Was in Band eins bereits angedeutet wird, erfreut sich im zweiten Band eines waschechten Tiefentauchgangs. Koichi, anfänglich noch arrogant und prahlerisch, kennt er sich ja in Liebesdingen aus, zweifelt plötzlich an sich und kämpft mit neuen Erkenntnissen: Sind seine Vorstellungen, alles, was er glaubte über Liebe zu wissen, falsch? Während Koichi mit seinen Emotionen kämpft, bleibt Kumazawa erstaunlich entspannt und wird das ruhige Gegengewicht zum Nervenbündel Koichi. Diese Umkehr klassischer Rollenbilder – der „Erfahrene“ wird mit seinen eigenen Unsicherheiten konfrontiert, während der Unerfahrene die Dinge nimmt, wie sie fallen – macht CAN’T FIX THESE FEELINGS überaus lesenswert.
Zeichnerisch solide
Zeichnerisch ist der Manga solide – aber nichts, was langjährige Boys-Love-Liebhaber nicht schon gesehen haben. Die Charakterdesigns sind eher schlicht gehalten, überzeugen aber durch die sich auf den Gesichtern spiegelnden Emotionen. Die Unsicherheit Koichis ist ebenso greifbar wie Kumazawas stoische, fast lethargische Ruhe. Manchmal sogar bewusst übertrieben, bringt Koichi sich selbst mit seinen neuen Gefühlen und Gedanken so sehr aus der Fassung, dass es gar nicht genug Panels geben kann, um das zu fassen.
Kleidung und Haare sind – wie die Figuren – einfach gehalten, dafür sind sie moderner Natur und könnten glatt aus dem „New Yorker“ um die Ecke stammen. Beide Männer fügen sich wie selbstverständlich in die Gesellschaft um sie herum ein – ein klares Zeichen für alle, die LGBTQ+ unterstützen. Sie sind wie du und ich – etwas, das Hirokawa hier sehr hervorstechen lässt, ohne es überzogen wirken zu lassen. Die Hintergründe sind zwar manchmal zu sauber und steril – da wirkt selbst die Werkstatt wie ein Labor im Krankenhaus –, aber der Fokus soll ja auf den Figuren liegen, nicht auf dem, was hinter ihnen passiert.
Ob der Manga wirklich Neues ins Genre bringt, ist eine gemischte Frage: Die Grundkonstellation – gegensätzliche Charaktere, spontane körperliche Nähe, Verwirrung über die sexuelle Identität – ist vertraut. Der frische Aspekt liegt jedoch in der direkten Erzählweise und der ungewöhnlichen Rollenverteilung innerhalb der Beziehung. Statt eines langen Spannungsaufbaus setzt die Geschichte auf schnelle Eskalation und anschließende emotionale Aufarbeitung.
Unterm Strich ist CAN’T FIX THESE FEELINGS kein revolutionärer Titel, aber ein unterhaltsamer, angenehm ehrlicher Beitrag zum Boys-Love-Genre, der vor allem durch seine Dynamik und Figurenkonstellation im Gedächtnis bleibt.
Autor: Kou Hirokawa Zeichner: Kou Hirokawa Verlag: Hayabusa Seiten: 176 |
Autor: Kou Hirokawa Zeichner: Kou Hirokawa Verlag: Hayabusa Seiten: 176 |
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