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Wenn Kunst überwältigt

Dario Argento drehte nach seinem Ausflug in die USA mit „Aura – Trauma“ das erste Mal in Italien mit seiner Tochter Asia Argento vor der Kamera. THE STENDHAL SYNDROME liegt zwar neu in einer edlen Edition vor, ist aber trotzdem misslungen.

„Suspiria“, „Tenebrae“ und „Terror in der Oper“ gelten als stilistisch prägende Vertreter Giallos, auch wenn sie – bei näherer Betrachtung – in Sachen Logik, Substanz oder Stringenz durchaus Schwachstellen aufwiesen. Mitte der 90er Jahre verlor das Genre an Popularität und Dario Argento schraubte einhergehend mit Budgetzwängen seinen Stilwillen zurück, so dass inhaltlichen Schwächen in seinem (Giallo-)Spätwerk deutlich zu Tage traten. Etwa im trotz eines geheimnisvoll-düsteren Scores von Ennio Morricone atmosphärisch minder dichten THE STENDHAL SYNDROME, der nun im Verleih von Plaion Pictures erstmals als 4K UHD im drei Discs umfassenden Mediabook erscheint. 

Kommissarin Anna Manni (Asia Argento) begibt sich in den Florenzer Uffizien auf die Fährte eines Serienvergewaltigers, der seine weiblichen Opfer zuletzt auch tötete. Sie erliegt durch den Overkill an Kunst dem sogenannten Stendhal-Syndrom und begibt sich anschließend in psychiatrische Behandlung. Ein leichtes Spiel also für den gesuchten Peiniger Alfredo (blutjung: Thomas Kretschmann), der eines Tages auch Anna in seine Gewalt bringt, die sich daraufhin die langen dunklen Haare abschneidet, nach hinten gelt und fortan auf sexuelle Avancen wie ihres Freundes Marco abweisend reagiert. Bei einer erneuten Konfrontation gelingt es Anna jedoch, Alfredo zu überwältigen…

… und genau an dieser Stelle, nach exakt 72 Minuten, könnte THE STENDHAL SYNDROME auch schon vorbei sein für ein halbwegs rundes und in seinem Gewalt- und Blutgehalt recht zünftiges Giallo-Häppchen mit mieser CGI (wie eine Pistolenkugel in Großaufnahme eine Wange zerschlägt, sieht einfach zu künstlich aus), das immer wieder mit großer klassischer expressiver zeitgenössischer (Graffiti-)Kunst für farbenfrohe Schauwerte sorgt. Doch das Autoren-Trio um Dario Argento setzt seiner Protagonistin einfach eine blonde Perücke auf und weiter geht’s holprig mit einer französisch-italienischen Liaison einem wirren Finale mit haarsträubender Auflösung entgegen.

Mit ein paar Extras stellt Plaion Pictures die Fans des mediokren Streifens zufrieden, der hier in beeindruckender Schärfe, aber mit reichlich Filmkorn vorliegt. Eine alternative Exportfassung (ca. eine Minuten kürzer als die Standardfassung) befindet sich ebenso auf der Blu-ray wie ein Audiokommentar mit Dokumentarfilmer Eugenio Ercolani und zwei Kumpanen. Einen wirklichen Mehrwert weisen ein Zusammenschnitt von Szenen mit englischsprachigen Textbeinblendungen (5 Min.) und der deutsche Vorspann (nur der Titel wurde geändert; 2 Min.) sowie drei Trailer als weitere Boni allerdings nicht auf.

LUTZ GRANERT

Titel: THE STENDHAL SYNDROME (Mediabook)
Label: Plaion Pictures
Land/Jahr: Italien 1996
FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 119 Min.
Verkaufsstart: 25. Juni

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