Westerklassiker mit Pidax
‚May the 4th be with you‘ – wenn am 4. Mai der „Star Wars Day“ ansteht, wird der Western kurzerhand ins All verlegt. Wir holen ihn zurück auf die Erde: dorthin, wo Colts sprechen und der Horizont flimmert.
Am 4. Mai feiert die Welt „Star Wars Day“ – und damit den wohl berühmtesten Space Western der Filmgeschichte. Bis es so weit ist, bleiben wir am Boden: im Staub, unter sengender Sonne und mitten im klassischen Western. Wir stellen euch einige Highlights aus dem Programm von Pidax Film vor.
Ein Höhepunkt des Westerngenres
Den Anfang macht DER MANN, DER KAM, UM ZU TÖTEN von „Für ein paar Leichen mehr“-Regisseur Alfonso Balcázar, bei dem es um Doc MacGregor geht. Dieser hat sich als Berufsspieler in der Gegend einen Namen gemacht und dabei auch so manchen Gauner gegen sich aufgebracht. Als er aus Notwehr in ein Verbrechen hineingezogen wird, gelingt ihm gerade noch die Flucht in die Kleinstadt Baldosas, wo er unter falscher Identität Ruhe zu finden hofft. Doch MacGregor gibt sich dummerweise als der berüchtigte Revolverheld Larry Kitchener aus, der Baldosas einst zu schützen geschworen hatte und nun als potenzieller neuer Sheriff in die Pflicht genommen wird. Gemeinsam mit dem Kopfgeldjäger Slade soll er die Stadt verteidigen – doch Letztgenannter ist auch heiß auf die 10.000 Dollar, die aufs MacGregors Kopf ausgesetzt sind, weiß aber nicht, dass sein Mitstreiter gleichzeitig auch der Gesuchte ist …
DER MANN, DER KAM, UM ZU TÖTEN ist in der Hochphase des Spaghettiwesterns entstanden und zeigt dessen Härte und Skrupellosigkeit in allen Facetten auf, auch wenn der Überblick über die etwas verrückte Handlung suggeriert, dass hier auch Anteile einer Komödie inbegriffen sind. Doch die Story geht straight voran, nimmt so manche brutale Wendung und erfreut sich einer fantastischen Inszenierung durch Hauptakteur Carl Möhner.
Wie so oft trägt der etwas einfältige deutsche Titel nicht dazu bei, diesen '67er-Streifen in einem Atemzug mit den großen Beiträgen des italienischen Westerns zu nennen. De facto ist die Produktion von Alfonso Balcazar aber nicht nur eine der besten ihres Jahrgangs, sondern grundsätzlich einer der vielen Höhepunkte, die das Genre seinerzeit hervorgebracht hat.
Regie: Alfonso Balcazar
Label: Pidax
Land/Jahr: Italien 1967
Laufzeit: ca. 85 Min.
FSK: ab 16
Extras: 2 Synchronfassungen, deutscher Vorspann, Trailer, Bildergalerie, Wendecover
Eine verhängnisvolle Entscheidung
Der Nächste ist die spanisch-italienische Co-Produktion DIE 7 AUS TEXAS von 1964
Die Geschichte beginnt dramatisch: Der wohlhabende Farmer Clifford und seine schwerkranke Gattin Maria machen sich auf den Weg nach Laredo, um dort die nötige medizinische Betreuung zu bekommen. Die Reise steht jedoch von Anfang an unter einem schlechten Stern, da Clifford keine vertrauenswürdigen Begleiter ausfindig machen kann und der Weg nach Laredo immer wieder neue Gefahren mit sich bringt. Eines Tages trifft das Gespann auf Marias ehemaligen Partner Bob, der eine längere Gefängnisstrafe abgesessen hat, und den tollkühnen Ringo, der noch eine offene Rechnung mit Bob zu begleichen hat. Mangels Alternativen nimmt Clifford die Neuankömmlinge in die Gruppe auf – wohl wissend, dass ihm diese Entscheidung in mehrerlei Hinsicht zum Verhängnis werden kann.
DIE 7 AUS TEXAS gehört zu den verborgenen Gassenhauern des Italowesterns und hat vor allem dank des Soundtracks von Rio Ortolani einen besonderen Stellenwert erlangen können. Doch nicht nur die musikalische Rahmenuntermalung, sondern auch die aufwendigen Kulissen und die dezent amerikanische Färbung versetzten dem Genre frische Impulse, die nicht zuletzt durch eine packende, nicht immer lineare Story bestätigt werden konnten. Der Streifen, für den damals ein erstaunlich hohes Budget lockergemacht wurde, findet nun erstmals den Weg ins DVD-Regal und schließt eine weitere Lücke im nahezu unerschöpflichen Fundus echter Westernklassiker.
Regie: Joaquin Luis Romero Marchent
Label: Pidax
Land/Jahr: Spanien/Italien 1964
Laufzeit: ca.95 Min.
FSK: ab 16
Extras: Originaltrailer, Bildergalerie, deutscher Vorspann
Die Filme zur Kultserie
Während RAUCHENDE COLTS in den Staaten über mehrere Jahrzehnte das TV-Programm bestimmte und neben „Bonanza“ die vielleicht wichtigste und erfolgreichste Westernserie überhaupt darstellte, konnte sich das Format hierzulande nur teilweise durchsetzen, sodass auch nur ein Drittel aller produzierten Episoden auch eine deutschsprachige Synchronisation erfahren hat.
Nach dem Ende der Kultreihe in den frühen 80ern sollte in Dodge City aber noch lange nicht Schluss sein; insgesamt fünf Spielfilme wurden in den folgenden Jahren nachgeschoben, in denen der Charme des Originals aber nicht mehr ganz so präsent war wie noch in den etwas kurzweiligeren, manchmal auch recht rauen Folgen der Vergangenheit.
Die Storys sind ein Stück weit polierter, die noch verbliebenen Darsteller sind spürbar in die Jahre gekommen und im Vergleich zu den schwarz/weiß-Kapiteln der 50er und 60er herrscht hier eher kunterbuntes TV-Kino, das als Hommage an die Frühphase zu Teilen funktioniert, am Ende aber doch eher abgedroschen und auch nicht mehr ganz so zielstrebig formuliert wurde. Während die TV-Serie in Ausschnitten auch hierzulande lizenziert und als DVD veröffentlicht wurde, hat man auf die Spielfilme etwas länger warten müssen, jedoch wird die Lücke nun von Kult-Anbieter Pidax nachträglich freigegeben und bietet vor allem treuen Fans die Möglichkeit, die Sammlung zu komplettieren.
Die audiovisuelle Aufbereitung ist mehr als anständig, weiteres Bonusmaterial gibt es aber in der Spielfilm-Collection nicht. Wer RAUCHENDE COLTS immer schon liebte, darf hier gerne zugreifen, allen anderen sei die Serie hier mehr ans Herz gelegt als diese überlangen Episoden in der Nachlese.
Regie: Vincent McEveety, Charles Correll, u.v.a.
Label: Pidax
Land/Herstellungsjahr: USA 1987-1994
Laufzeit: ca. 484 Min.
FSK: ab 12
Extras: Keine
BJÖRN BACKES
RAUCHENDE COLTS, DIE 7 AUS TEXAS, DER MANN, DER KAM, UM ZU TÖTEN, Star Wars Day, western
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