Lasst Blumen sprechen
Actionreiche „Liebesgrüße aus Moskau“, frivole „Liebesgrüße aus der Lederhose“ – oder romantische LIEBESGRÜSSE AUS ENGLAND? Der Titel lässt Raum für Assoziationen, die sich als trügerisch erweisen. Statt britischem Esprit oder augenzwinkernder Raffinesse erwartet das Publikum vor allem eines: betuliche „Er-kriegt-sie“-Romantik, üppige Blumenarrangements und eine raue Atlantikküste.
Im Mittelpunkt steht die blonde Anwältin Ali aus Los Angeles. Der Tod ihrer Großtante führt sie in ein ländliches Anwesen in England. Die stattliche Villa erbt sie allerdings nur unter einer Bedingung: Laut Testament muss sie zunächst ein Rätsel um ihre Familiengeschichte lösen. Unterstützung bekommt sie vom Herrenhaus-Hausmeister Matthew, der zugleich als Doktorand an seiner akademischen Laufbahn feilt und als alleinerziehender Vater eines nicht-pubertierenden Teenagers fungiert. Matthew begegnet Ali mit spürbarer Reserviertheit. Sie erinnert ihn an seine Ex-Partnerin – und bestätigt damit scheinbar sein Vorurteil von der karrieregeilen Tussis ohne Familiensinn. Das geht dem sensiblen, aber brotlosen Kulturwissenschaftler mächtig gegen den Strich, schließlich ist er ein echter Frauenversteher!
Der Film bedient Klischees ohne erkennbare Brechung. Figurenzeichnung und Konflikte bleiben schematisch, dramaturgische Überraschungen gibt es nicht. Insgesamt wirkt LIEBESGRÜSSE AUS ENGLAND wie eine weitere seelenlose Fließbandproduktion für den TV, der höchstens (Entschuldigung, aber ein weiteres Klischee) die 60+ Generation etwas abgewinnen kann.
Fast schon bemerkenswert ist die obsessive Präsenz frischer Blumen in nahezu jeder (!) Szene. Im Ferienhaus stehen gleich mehrere Sträuße in der Küche, Ali erwacht regelmäßig neben einem neuen Bouquet – dessen Herkunft unerklärt bleibt. Selbst Töpferei, Strand, Dorfplatz und Zug sind floristisch aufgerüstet. Selbst die lokale Bibliothek, wobei Bücher dort ohnehin Nebensache sind, sogar die Bibliothekarin recherchiert lieber am PC. Man kann sich leicht vorstellen, dass die/der Florist*in dieser Produktion sich eine goldene Nase verdient hat.
Unterm Strich bleibt ein Film, der seine Zielgruppe im klassischen Wohlfühlsegment finden dürfte, darüber hinaus jedoch wenig Anlass zur Begeisterung bietet.
MARCUS CISLAK
Regie: Tim Clague und Danny Stack
Label: Tiberius Film
Land/Herstellungsjahr: GB 2024
Laufzeit: 82 Minuten
FSK: ohne Beschränkung
Verkaufsstart: 05. März
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