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Was ist man bereit zu tun?

A-FRAME ist mehr, als man denkt. Es geht um die großen Fragen, die man sich stellt, wenn man Krebs hat und ein Verlust droht. An der Oberfläche ein Horrorfilm, aber eigentlich ein Drama.

Im Gewand eines Horror-Thrillers, der irgendwie an Cronenbergs „Die Fliege“ erinnert, kommt A-FRAME daher. Aber das „Reisen“ per Dimensionstor (auch die grandiose „Stargate“-Serie fällt einem da ein) ist eigentlich nur die Oberfläche für ein Drama, das sich mit dem Thema Krebs, Heilung und Verlust auseinandersetzt. Weder der englische Titel (A-Frame bezeichnet ein Dachhaus, das Portal ist ein Dreieck) noch der irreführende deutsche Titelzusatz verraten das. Und: Den Film auf zwei saftige Splattereffekte (inklusive handgemachter Props!) zu reduzieren, ist falsch.

Pianistin Donna sucht Hilfe in ihrer Not. Denn ihr droht der Verlust ihrer Hand, weil sie Knochenkrebs hat. Neben der Schulmedizin greift sie in ihrer Verzweiflung auch zu alternativen Heilmethoden, doch es bringt alles nichts: Der OP-Termin steht kurz bevor. Im Krankenhaus spricht sie ein Mann an: Samuel. Er behauptet, ihren Krebs in Nullkommanix verschwinden zu lassen. Mit einer großen Portion Skepsis ob des „Wunderheilers“ mit Hang zu Paranoia und Verschwiegenheit willigt sie ein. Donna besucht ihn in seinem Privatlabor, lässt sich von dem Quantenmechaniker das Prinzip erklären. Die Verzweiflung obsiegt – sie testet es aus. Mediziner bestätigen später: Sie ist gesund. Aus Dankbarkeit landet sie mit ihm im Bett.

In ihrer Krebs-Selbsthilfegruppe erzählt sie dem todsterbenskranken, zynischen Stand-up-Comedian Rishi von der Anlage. Doch die ist noch ungetestet, und sie ist nicht nur ein kleines Dachhäuschen für einen Arm, sondern für den ganzen Körper – er muss hindurchtreten. Allerdings geht (man ahnt es) Cronenberg-artig diesmal (natürlich) etwas schief …

Die Frage ist also: Wie verzweifelt muss man sein, um einem sinistren Wissenschaftler zu vertrauen? Dass die Antwort nicht einfach sein wird, ist dem tollen Drehbuch des Regisseurs zu verdanken.

Ein überraschend guter Independentfilm mit glaubwürdigen schauspielerischen Leistungen und Dialogen mit Tiefe. Und das Beste: Er ist unterhaltsam und spannend. Mehr kann man sich kaum wünschen. Bravo!

MARCUS CISLAK

THE A-FRAME – NEUE DIMENSION DES TERRORS
Regie: Calvin Lee Reeder
Label: Tiberius Film
Land/Herstellungsjahr: USA 2024
Laufzeit: 82 Minuten
FSK: unbekannt
Verkaufsstart: veröffentlicht
  • Erstellt am .