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Mutiert, aber fröhlich

Die Neuauflage des trashigen 80er-Jahre-Klassikers ist gelungen und hochkarätig besetzt: THE TOXIC AVENGER liegt ab sofort auf DVD, Blu-ray und 4K UHD im Heimkino vor.

Eine Gruppe wie besessen im Fitnessstudio trainierender Teenager, die in ihrer Freizeit aus Spaß Menschen über den Haufen fahren, viele entblößte Brüste sowie ein heldenhafter Mutant, der mit einer blinden Schönheit anbändelt und die Bösen mit einem Reinigungsutensil zu Tode mobbt: In „Toxic Avenger“ anno 1984 regierte der Troma-typisch entfesselte, trashig-tumbe Anarcho-Humor. Eigentlich ausgeschlossen, dass ein Sequel und Remake aus dem Jahr 2023 diesen ganz speziellen Charme über die Jahrzehnte retten kann. So überrascht das Update des um mehrere Kurzauftritte nicht verlegenen Filmemachers Macon Blair umso mehr, der dem Geist des Originals weitgehend gleich geblieben ist.

Winston Gooze (Peter Dinklage) kümmert sich liebevoll um seinen Stiefsohn Wade (Jacob Tremblay) und arbeitet als Putzkraft in der von gesundheitsschädlichen Dämpfen miefenden Fabrik des windigen Pharma-Unternehmers Bob Garbinger (Wortwitz! – egal: gespielt von Kevin Bacon) und seinem dubiosen Bruder Fritz (Elijah Wood goes „Batman“-Bösewicht). Kurz nach einer niederschmetternden Diagnose wird Winston durch einen dummen Zufall von Fritz’ schrägem Schlägertrupp Killer-Nutz (zugleich eine Nu Metal-Band) in einem Bottich Giftmüll „entsorgt“. Doch er stirbt nicht, sondern taucht als Mutant mit übermenschlichen Kräften wieder auf…



THE TOXIC AVENGER macht vor allem für die Kenner des Originals richtig Spaß, weil das grelle Trash-Spektakel voller Anspielungen oder Wortspielen steckt. Aus Tromaville ist etwa St. Roma’s Ville geworden, natürlich ist Winston mit seinem müffelnden Mob unterwegs und Troma-Chef Lloyd Kaufman taucht in einem kleinen Cameo auf. Trotzdem geht die in mit Kunstblut, Brachialhumor und handgemachten (Make Up-)Effekten nicht geizende Trash-Komödie inhaltlich eigene Wege – und lässt Winston im Finale gegen den mutierten Bob Garbinger antreten. Natürlich ist das zuweilen etwas substanzarme Szenario keine große Kinokunst, dafür bei hoher Gag-Trefferquote äußerst launig. Nur die zuweilen etwas zu gewollt witzigen Schauplatzeinblendungen sind besonders in der deutschen Übersetzung (etwa „Alte Scheißer-Viertel“) misslungen.

Das Bonusmaterial auf der vorliegenden Blu-ray von capelight pictures ist umfangreich und beinhaltet neben einem Audiokommentar auch ein Panel von der San Diego Comic Con in San Diego (Länge: 58 Min.), wo der Film vorgestellt wurde. Im „Meet the Cast“-Feature verrät „Game of Thrones“-Star und Titelheld Peter Dinklage, was THE TOXIC AVENGER tatsächlich auszeichnet: Zuviel CGI verneble die Sinne, umso mehr begrüße er die vielen praktischen (Make Up-)Effekte. Recht so! Der Kurzfilm „Toxic Shock“ ist allen Zuschauer*innen vorab empfohlen, die den Trash-Klassiker aus den 80er-Jahre nicht kennen: Hier wird er voller Selbstironie noch einmal sehr gut zusammengefasst – wobei auch auf den kurzen Auftritt der späteren Oscar-Preisträgerin Marisa Tomei („The Wrestler“) im Handtuch aufmerksam gemacht wird.

LUTZ GRANERT

Titel: THE TOXIC AVENGER
Label: capelight pictures
Land/Jahr: USA 2023
FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 102 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

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