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Invasion im Klassenzimmer

Schüler ziehen mit reichlich Pyrotechnik und Köpfchen in den Kampf: GO FOR BREAK – DIE HÖLLE KOMMT ZUR HIGH SCHOOL als feministisch-futuristische Interpretation von Akira Kurosawas Klassiker „Die sieben Samurai“ feiert seine Premiere auf Blu-ray.

Ein engagierter Lehrer gegen eine Punker-Bande, die an einer High School Prostitution und Drogenhandel betreibt: Mit dieser Konstellation avancierte „Die Klasse von 1984“ aus dem Jahr 1982 zum Kultfilm. Der nur drei Jahre später veröffentlichte Streifen GO FOR BREAK – DIE HÖLLE KOMMT ZUR HIGH SCHOOL kann als japanische Antwort darauf verstanden werden – und ist dabei auch alles andere als zimperlich. Durch eine von einer Verbrennung begleitete Vergewaltigungsszene auf einem Motorrad und brutale Kämpfe stand der kompromisslose Actionthriller von 1991 bis 2015 auf dem Index – und liegt nun erstmals ungekürzt vor.

Zweimal im Jahr belagert die marodierende Yagyu-Motorradgang unter Anführerin „Pantherauge“ (Yuki Ninagawa) die Hope Hill High (im japanischen Original: Kibougaoka High School) und erpresst dabei Schutzgeld. Da die Kasse des Schülerrats inzwischen leer ist, heuert die computeraffine Satomi (Kozue Saito) ein Team aus Söldnerinnen zur Unterstützung für einem Kampf an, um endlich für Ruhe zu sorgen. Nach einem ersten Sieg der Schüler schlagen die Yagyu-Mitglieder aber umso brutaler zurück und es geht auf Leben und Tod...



In den ersten Minuten flimmert ein Videomitschnitt des letzten Angriffs der Bikergang über einen Röhrenfernsehen, bevor nach einer Sitzung im Schülerparlament nach und nach die „Madonnen“ genannten, wehrhaften Unterstützerinnen à la „Die sieben Samurai“ (worauf im Film direkt Bezug genommen wird) in einer Rekrutierungsmontage angeheuert werden, wobei eine von ihnen als Stuntfrau arbeitet. Mediale Selbstreflexion spielt in GO FOR BREAK – DIE HÖLLE KOMMT ZUR HIGH SCHOOL eine große, Lehrer*innen bis nach dem 30-minütigen Showdown am Strand, bei dem mit reichlich Pyrotechnik die Genregrenze von Actionthriller zu urbanem Kriegsfilm überschritten wird, keine Rolle. Im doppelten Sinne bestimmt eine düstere Weltsicht das albtraumhafte Szenario. Die meisten Außenszenen wurden von Mutsuo Naganuma („The Last Ronin“) bei bedecktem Himmel oder in der Dämmerung gegen das Licht gefilmt, Innenszenen weisen eine spärliche Lichtsetzung auf. Die triste Hoffnungslosigkeit kommt damit zwar hervorragend zur Geltung, die oberflächlich gezeichneten Charaktere im Halbschatten jedoch nicht – bei ähnlicher Thematik setzt die dystopische Satire „Battle Royale“ (2000) hier die prägnanteren Akzente.

Das vorliegende 2K-HD-Master liefert zwar gerade in den Nahaufnahmen gute Schärfewerte, doch neben wiederholtem Flackern der Farben bei Szenen mit großem Himmel-Anteil fallen auch einige Verschmutzungen des Bildes negativ auf. Als Bonus der auf 1.000 Exemplare limitierten Blu-ray von TG Vision ist nur ein Trailer enthalten, der offenbart, dass der Streifen auch unter dem Titel „Go For Broke“ vermarktet wurde – was tatsächlich auch mehr Sinn ergibt als der deutsche Titel.

LUTZ GRANERT

Titel: GO FOR BREAK – DIE HÖLLE KOMMT ZUR HIGH SCHOOL 
Label: TG Vision (Cargo Records)
Land/Jahr: Japan 1985
FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 106 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

biker, kult, japan, bluray

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