Radu´s Gaming Corner: Soundtracks in Videospielen
Wie viel Gänsehaut kann in einem Spiel stecken und was bleibt übrig, wenn man es durchgespielt hat? Meistens Erinnerungen an einprägsame Szenen, Dialoge, die ins Herz getroffen haben und natürlich auch die Musik. Welche Kraft die Musik in Games (und darüber hinaus) hat, schauen wir uns hier einmal genauer an.
Über die Kraft der Musik zu schreiben kann ganze Bücher füllen. Da gibt es jene Bands, die sich vor langer Zeit in stickigen Proberäumen verschanzten, ewig Coversongs spielten und später eigene Stücke erschufen. Irgendwann war genug Material vorhanden, um ein Album aufzunehmen und damit aufzutreten. Wer schon einmal auf einem Konzert war kann bestimmt gut nachvollziehen, welche Gänsehautmomente eine Live Erfahrung mit sich bringt, wenn eigene Lieblingssongs (die man vorher nur im stillen Kämmerlein für sich gehört hat, während man jede Textzeile in sich aufsog) live performt und mit mehreren Menschen um sich herum geteilt und abgefeiert wird. Bei Filmen ist es etwas anders, denn hier prägen sich magische Momente bestimmter Szenen aus unterschiedlichen Gründen ein. Die Titelmusik spielt allerdings eine besondere Rolle und erschafft sofort eine Brücke zwischen dem Herzen des Zuschauers und der Liebe zu einem bestimmten Film. Kleines Beispiel: versucht einfach mal bei der Titelmusik von „Fluch der Karibik“ keine Gänsehaut zu bekommen. Bei Videospielen ist die Erfahrung sogar noch ein wenig intensiver, denn hier verbindet die Musik nicht nur Szenen die man gesehen (und gefühlt), sondern auch aktiv mitgestaltet hat, weil man dieses Medium interaktiv ist und man als Spieler den Verlauf selbst mit beeinflusst hat.

Hier treffen auch viele generelle Musikliebhaber und Gamer zusammen, denn auch die Musikindustrie hat erkannt, dass Gamingsoundtracks ein profitables Geschäft sind. Soundtracks sind beispielsweise eine wertvolle Beigabe bei Collector´s Editions, aber auch als nette Zugabe in digitaler Form (beispielsweise bei Steam) rundet es das Spielerlebnis ab. Mein persönliches Lieblingsmedium sind Schallplatten und so teilen sich diverse bands mit meinen Gamingerinnerungen ein großes Plattenregal. Wenn man beispielsweise das aufwändige Artwork der Baldur´s Gate Vinylbox betrachtet, werde ich komplett schwach, denn neben der Musik und dem Bezug zum Spiel kommt die Kunst der Malerei im modernen Zeitalter zum Zug, die sowohl auf dem Plattenteller, als auch als Bild an der Wand episch aussieht. Wenn wir einmal bei Larian bleiben, können wir gleich auch den Soundtrack zu Divinity II- Original Sin erwähnen, der meiner Meinung nach qualitativ ebenfalls sehr hochwertig ist. Ein weiteres Schätzchen meiner Sammlung ist die Skyrim Box, bei der sowohl das Artwork, als auch die Farbe der Schallplatte selbst für mich stimmig ist. Last but noch least haben wir da noch den Witcher Soundtrack, der von dem Artwork „nur“ schön und nicht atemberaubend ist (ich weiß, meckern auf hohem Niveau) , dafür aber mit der Musik alles wett macht. Es gibt noch viele weitere Vinylempfehlungen, das würde allerdings hier leider den Rahmen sprengen. Ein kleiner Tipp: Vinyljunkies sollten die Plattform Discogs einmal antesten, denn hier bekommt man seltenen und vergriffene Exemplare. Preislich zwar nicht immer ein Schnapper, aber manchmal hat man Glück und findet ein verloren geglaubtes Schätzchen wieder.

Neben den heimischen Wänden oder unterwegs mit Streaming Diensten, hat sich sowohl Filmmusik, als auch Gaming Konzerte mittlerweile aus dem Nischendasein verabschiedet und erobert langsam, aber sicher die Bühnen der realen Welt. So war ich beispielweise im Januar 2024 beim Elden Ring Symphonic Adventure, das mich extrem beeindruckt hat. Wer bereits mehrere Konzerte/Festivals aus der Metalszene mitgemacht hat (lieben Gruß ans Party San und Death Fest), weiß wie viel Energie man auf der Bühne entfesseln kann. Infernalisches Geballer, hemmungslose Growls oder epische Keyboardpassagen (inklusive Frauenstimmen) können innerhalb weniger Sekunden eine Ganzkörpergänsehaut auslösen. Allerdings ist die Wucht und Durchschlagskraft, die ein gesamtes Orchester (inklusive Chor) auf der Bühne zelebriert ungeschlagen. Während mein Körper bei Metalkonzerten komplett mit Adrenalin durchflutet, gereinigt und durchgeschüttelt wird, so sitze ich bei einem Orchester ehrfürchtig da und staune, welche unfassbare Klangwelten sich mir offenbaren. Es fühlt sich ungefähr so episch an, als hättest du dein Leben lang in einem Raum gelebt und wärst zum ersten Mal raus in die weite Welt gegangen (auch hier ein Elden Ring Beispiel: der Moment, in dem ihr nach dem Tutorial zum ersten Mal die Welt seht). Metalkonzerte sind definitiv aggressiver, Konzerte anderer Genres haben ebenfalls ihren Reiz (egal ob Mitsingen, Feiern oder Tanzen), aber in Sachen epische Momente kommt meiner Meinung nach nichts an ein Orchestererlebnis ran. Ebenfalls im Jahr 2025 war ich auf der Gamescom und direkt im Anschluss beim Witcher in Concert. Das 10 jährige Bestehen von Witcher 3 sollte gebührend gefeiert werden und gerade die Kombination aus Soundtrack und Filmszenen (auch bei Elden Ring) machen das Erlebnis spannend und verfehlt seine emotionale Wirkung nicht. Während man bei Filmesoundtracks nach so einem Konzert sich gerne nochmal den Film anschaut, ist man nach so einem Liver Erlebnis definitiv bereit für einen weiteren Spieledurchgang und ich kann mir gut vorstellen, dass ich nicht der Einzige war, der nach dem Konzert das Game wieder installiert hat. Auch zum 30. Bestehen von Resident Evil sind Konzerte im Rahmend der Symphony of Legacy Tour geplant.

Eine kleine Anekdote am Rande gefällig? Ich war in meiner Jugend stolzer Besitzer eines Amiga 500. Wir tauschten regelmäßig Spiele aus und erzählten uns im Schulbus die neuesten Anekdoten. Eines Tages bekam ich Turrican II in die Hände und war vom Soundtrack direkt begeistert (danke an den Soundmagier Chris Hülsbeck, der heute immer noch aktiv ist). Ich spielte es mehrmals durch und fragte mich, ob man irgendwie den Soundtrack separat vom Spiel hören könnte (Fun Fact: damals gab es kein Internet). Ich versuchte mit einem Kassettenrekorder neben dem Monitor die Musik auszunehmen, was allerdings kläglich scheiterte. Irgendwann kam ich durch Zufall im Hauptmenü auf die Space Taste und gelangte in das Musikmenü, wo man alle Songs anwählen konnte. In meiner Begeisterung (und nach endlosem Tüfteln) schloss ich meine Stereoanlage an den Amiga an und nahm alle Songs auf Kassette auf. Es war ein sehr episches Gefühl mit dem Walkman in die Schule zu gehen und währenddessen auf Kassette den Turrican II Soundtrack in einer anderen Umgebung zu hören (Auf der anderen Seite der Kassette war übrigens die „Sign oft he Hammer“ von Manowar). Wer sich die „alte Welt“ (Walkman, kein Internet usw.) nicht vorstellen kann, oder sie auch miterlebt hat und in Erinnerungen schwelgen möchte, kann sich gerne mein kostenloses Buch „Pitwalker- Tagebuch eines Headbanger Nerds“ hier kostenlos runterladen.

Bei Bands gibt es Musikvideos, bei Games kann man sich bestimmte Szenen des Spiels, die von dem Soundtrack untermalt werden, auf YouTube anschauen. Ein Beispiel ist hier der Song „Wolven Storm- Priscillas Song“ aus Witcher 3, der sehr schön vermittelt, welchen Stellenwert Soundtracks innerhalb und außerhalb von Spielen hat. So lassen sich beispielsweise Künstler dazu inspirieren, ihre eigenen (stellenweise sogar bessere) Version bekannter Stücke aufzunehmen. Meine persönliche Lieblingsinterpretin Sachen Gaming Soundtrack ist Malukah auf ihrem YouTube Kanal. Manchmal braucht es einfach nur eine Akustikgitarre, eine schöne Stimme und ganz viel Herzblut, um ein bereits bekanntes Stück auf das nächste Level zu hieven. Es gibt allerdings auch Musikstücke in Games, über die man schlichtweg nichts weiß und die einen ganz überraschend treffen. Während ich Of Ash and Steel gespielt habe, stolperte ich eben über so ein Stück, dessen Magie in Zusammenhang mit den Ingame- Szenen mich völlig unvorbereitet erwischt hat. Das gilt übrigens für das gesamte Spiel, das so viele Fehler, Bugs und Probleme hat und mich trotzdem viele Stunden bis zum Abspann gefesselt und mit Gothic Vibes zugeballert hat. Wenn dann noch ein emotionaler Song daher kommt, wird das Element der Überraschung abgerundet.
Fazit:
Das Ohr spielt mit, das Herz fühlt mit und bei Vinyl spielt die Sammelwut mit. Soundtracks zu Spielen haben für mich eine zentrale Rolle im Leben und sind qualitativ teilweise auf Augenhöhe mit Bands, die ich seit vielen Jahre liebe. Ich freue mich bereits jetzt schon wie ein Kind, wenn meine Bestellung der Vinyledition von „Clair Obscur- Expedition 33“ ankommt und gleichzeitig genieße ich in den kalten und dunklen Wintertagen eine gute Schallplatte über Kopfhörer in meinem gemütlichen Sessel. Live Erlebnis, gemütliche Stunden mit Kopfhörer oder weitere intensive Gamingmomente, Musik ist und bleibt für mich eine der zentralen Säulen, die im Tagebuch des Herzens noch ewig nachklingen können.
Malukah, CD Projekt, Larian Studios, Divinity II Original Sin, Turrican, Elden Ring, Witcher 3, Skyrim, Resident Evil, Baldur´s Gate 3