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25. August 2025


Von: LILI SCHMIRGAL

Zwischen Karma und Cocktail

Der Manhua DIE DÄMONENBAR erscheint aktuell auf Deutsch beim Verlag Manlin. Leser werden in eine mystische Welt entführt, in der Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Dabei zeigt DIE DÄMONENBAR schnell, dass Fantasie nicht alles ist, was sich zwischen ihren Seiten entdecken lässt.

Erinnerungen sind fließend – manche verankern sich für alle Zeit wie ein Brandmal in unserem Kopf, andere verblassen mit den Jahren. Und manch ein Mensch kommt erst voran, wenn er sich Vergangenem stellt – der Weg in eine Bar hilft, besonders wenn sie ein wenig dämonisch ist.

Jeder, der die Schwelle zur Dämonenbar überschreitet, ist bereit, sich seinen vergangenen Zeiten zu stellen. Der Barkeeper mixt jedem Gast einen ganz besonderen Cocktail – angefüllt mit Erinnerungen. Ein Schluck von dem magischen Gebräu, und der Trinkende findet einen Schlüssel zu dem, was war – ob ein früheres Leben oder längst vergessen geglaubte Erinnerungen. Alles, was tief in der Seele schlummert, bringt der Barkeeper mit seinen Drinks hervor – wobei die Suche nach Schuld, Erlösung und Sühne nicht leicht zu bewältigen ist.

Entspannt romantisch

Was tiefgreift, braucht eine entsprechende visuelle Darstellung. DIE DÄMONENBAR besticht mit außerordentlichem Detailreichtum und einer Atmosphäre, die jeden Aspekt der Geschichte durchdringt.

Verschiedene Kapitel erzählen eine neue Erinnerung, die einzige Konstante ist der Barkeeper – der ein eigenes Geheimnis hütet. Die unterschiedlichen Figuren sind an ihre Geschichten angepasst. Ein kleiner Fuchsjunge, der in der Wildnis haust, zeigt rote, verwuschelte Haare und ärmliche Kleidung. Eine Dame hingegen, die ein unendliches Leben in die Bar trägt, ist gekleidet in moderne Eleganz, mit perfekt glatten Haaren.

Dabei tanzt der Autor mit seinen Figuren durch die verschiedenen Zeitepochen – nicht jeder Gast ist in seinem aktuellen Leben auf der Suche nach einer ihn plagenden Erinnerung. Sorgfältig ausgearbeitet sind dazu die Gesichter, die Emotionen deutlich erkennbar darstellen, ohne übertrieben zu wirken – zerbrechliche Verletzlichkeit findet sich neben feuriger Entschlossenheit, perfekt inszeniert.

Gegossen in die Geschichte wie ein Abbild: die Hintergründe. Von zarten, orangefarbenen Frühlingstagen mit weiten, saftigen Feldern bis zu düsteren, drückenden, zerfallenen Tempeln – Künstler Muba setzt seine Figuren in die passende Umgebung, ohne ihnen dabei weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Die detailreichen Hintergründe erlauben es, tief in die Welt der unterschiedlichen Charaktere einzutauchen.

Zauberhafte Tiefe

Unter der fantasievollen Oberfläche findet sich eine Tiefe, die ihresgleichen sucht. Die verschiedenen Kapitel sind geprägt von zutiefst menschlichen Erfahrungen: Sehnsucht, Liebe, Eifersucht, Verlust, Reue und die Suche nach Erlösung – wobei der Künstler hier verschiedene Ebenen dieser Aspekte aufgreift.

Die Geschichten bergen eine philosophische Ebene, die durchaus zum Nachdenken anregt – ist das Leben eben selten nur Schwarz und Weiß. Der Barkeeper ist seinen Gästen – und dem Leser – ein Wegweiser, ohne dabei zu urteilen oder zu nötigen. Er führt und begleitet mit sanfter Hand.

Selbst tragische Momente wie der Verlust geliebter Menschen, seiner Gäste oder aber die Frage, ob Unsterblichkeit nun gut oder schlecht ist – er lässt seinen Gästen die Möglichkeit, die Antworten selbst zu finden. Was er im Gegenzug für seine Getränke verlangt, ist kein Geld – sondern die Erinnerungen und die Zeit, die seine Gäste ihm schenken. Fast schon göttlich …

Fazit

Der Manhua ist außergewöhnlich – um nicht zu sagen einzigartig. Die Mischung aus Fantasyelementen mit psychologisch tiefgreifenden Geschichten findet sich in dieser Form selten. Gerade der Barkeeper mit seiner Ruhe und Nahbarkeit schenkt Themen wie Verlust und Trauer Würde, ohne dabei übertrieben kitschig zu wirken.

DIE DÄMONENBAR lädt nicht nur auf eine fantastische Reise in die Fantasiewelten verschiedener Menschen und übernatürlicher Wesen ein, sondern auch zu einer eigenen Reise in die Vergangenheit – mit sich selbst.

Wir danken dem Manlin-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Originaltitel: Yāo Guài Jiǔ Guǎn (妖怪酒馆)
Autor: MUBA
Land/ Jahr: China 2019
Verlag: Manlin

 


 

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