18. September 2026
Ein Prise Märchen im BL-Wunderland
Mit HANAYUKABA liefert Michinoku Atami einen Manga, der historische Romantik, Fantasy und emotionale Charakterentwicklung geschickt miteinander verbindet. Ein wenig Isekai gepaart mit Boy’s Love bringt frischen Wind in das BL-Genre und überrascht mit geschickten Wendungen und absolut liebenswerten Figuren. In Japan ist der Manga noch nicht abgeschlossen, es bedarf daher noch etwas Geduld, um als deutscher Fan in den Genuss der gesamten Reihe zu kommen.
Tsukihiro hat gerade seinen geliebten Großvater verloren – der Schmerz sitzt tief, verband ihn zeitlebens mehr mit dem alten Herrn als reine Verwandtschaft. Sein Großvater war ihm Inspiration und Wegbereiter – eine Konstante in einer Welt ohne Eltern. Was ihm bleibt, ist eine alte Taschenuhr – nicht viel für ein Menschenleben, aber wohl soll es das Leben Tsukihiros auf eine fantastische Art und Weise verändern.
Als er eines Abends spazieren geht, die Taschenuhr fest bei sich, findet er sich im nächsten Moment in einer fremden Welt – oder besser gesagt Zeit – wieder. In jener Zeit Japans, in der Samurai und ihre Herren die Geschicke des Landes lenkten. Er findet sich im Hause – oder besser gesagt Anwesen – Sounjos wieder, der ihm nicht nur Unterkunft anbietet, sondern auch einen ganz besonderen Vorschlag unterbreitet. Etwas an Sounjo ist Tsukihiro vertraut – als habe er ihn schon einmal gesehen – und Sounjo weiß Dinge über Tsukihiro, die er, als Fremder einer anderen Zeit, gar nicht wissen sollte.
Fingerspitzengefühl auf feine Art
Was zunächst wie eine klassische Zeitreisegeschichte beginnt, entwickelt schnell seinen eigenen Charme. Die Beziehung zwischen Tsukihiro und Sounojo lebt nicht von übertriebenem Drama, sondern von kleinen Momenten. Ein Blick, eine vorsichtige Berührung oder eine nachdenkliche Unterhaltung sagen hier oft mehr als lange, zähe Monologe. Der Geschichte sowie den Figuren wird so eine wunderschöne Art von Realität auf den Leib gezimmert, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Selbst die erste, überstürzte Nacht der beiden Protagonisten wirkt alles andere als gefühlskalt – sie ist ein Konzert an Zärtlichkeit.
Gemeinsam mit Tsukihiro schickt Michinoku Atami ihre Leser auf eine Reise durch eine fremde Zeit und erzeugt, durch die Perspektive des Zeitreisenden, den Eindruck, als würde man selbst auf Erkundung gehen. Das Herrenhaus, in dem sich Tsukihiro wiederfindet, ist gespickt mit feinsten Details – von der Tatamitextur am Boden, bis hin zu den feinen Holzstrukturen und Gärten – alles ist des Auges würdig. Gerne bleibt es hängen und erkundet die fremde Umgebung.
Den Roben der Samurai-Zeit ist nicht weniger Aufmerksamkeit geschenkt, hier lässt sich sogar der steife Kimono-Stoff erahnen. Als wäre das des Künstlerischen nicht genug, weiß die Mangaka durchaus, mit ihren Figuren zu spielen. Von unruhigen, anerkennenden Blicken über scheue Augen – es sind nicht allein Worte, die diesen Manga tragen. All das vor der ruhigen Kulisse des Herrenhauses erzeugt eine sehr feinfühlige und fast melancholische Atmosphäre.
Wer actionreiche Samurai-Kämpfe erwartet, sollte seine Erwartungen jedoch etwas anpassen. HANAYUKABA ist kein Manga über Kampf und Samurai-Kult. Viel eher stehen von Glühwürmchen verzauberte Haine und die Liebe im Vordergrund.
Fazit
HANAYUKABA ist ein atmosphärischer Boys-Love-Manga, der mit einer interessanten Zeitreise-Prämisse, sympathischen Charakteren und einem wunderschönen Zeichenstil überzeugt. Der zarte Umgang der Figuren, die nach und nach ein Gespür füreinander entwickeln, ist fern jeglicher boshaften Besitzgier, die manchem Manga des Genres anhaftet – sie sind liebevoll miteinander und versuchen, einander zu verstehen. Wer eine Geschichte sucht, die viel für Herz und Seele schenkt, ist hier gut beraten.
Verlag: Hayabusa
Autor: Michinoku Atami
Zeichner: Michinoku Atami
Seitenzahl: 244
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