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Ungewollt gestorben.

EDITH – KEINE GEWÖHNLICHE WIEDERGEBURT ist ein Manhwa, der den Tod ebenso ernst nimmt wie die Wiedergeburt und trotz der schweren Kost weiß, mit Humor umzugehen. Der Manhwa basiert auf der gleichnamigen Light Novel von Lemon Frog und erschien mit insgesamt 156 Kapiteln zwischen März 2021 und Mai 2022. Das gezeichnete Werk umfasst 100 Kapitel und erscheint zwischen April 2023 und 2025 – die Abstriche nehmen der Geschichte nichts.

Soona Choi führt ein hartes Leben. Von den Eltern ungeliebt, auf der Arbeit gemobbt – wo andere sogar ihre Erfolge und Ideen stehlen – und ihr Bruder sieht in ihr nichts weiter als einen Goldesel. Als sich Soona eines Tages weigert, ihm weiter Geld zu geben, stößt er sie die Treppe hinunter. Was eigentlich das Ende ihrer Reise sein soll, wird ihr neuer Anfang – mit vielen Stolpersteinen.

Sie erwacht in der Welt des Romans, den sie noch am Tag zuvor ihrem Geist zum Futtern gab – und zwar als die intrigante Adelige Edith Rigelhof, deren Tod auch im Originalwerk unausweichlich ist. Doch Soona ist im Vorteil – sie kennt die Geschichte des Romans und möchte nun ihr eigenes Schicksal verändern und Ediths grausames Ende abwenden.

Ausgerechnet ihr eigener Ehemann, Killian Rudwick, ist ihr größter Gegner. Die Rigelhofs haben einen zweifelhaften Ruf, und Killian misstraut seiner Gattin – immerhin war es für beide nichts weiter als eine Ehe ohne Zwang. Killian hat ohnehin nur Augen für die schöne Lise – die eigentliche Protagonistin des Buchs.

Aber nichts ist, wie es scheint. Edith war nie die behütete, verwöhnte Adelstochter, sondern wurde von ihrer eigenen Familie brutal misshandelt – doch mit diesem Wissen in sich wird Edith entschlossener denn je. Sie ahnt nicht, dass die unschuldig wirkende Lise gefährlicher ist, als ihr Mann es je sein könnte.

Päpstlicher Beistand

Die zeichnerische Opulenz der Geschichte deckt sich mit vielen anderen Werken aus den südkoreanischen Gefilden. Kleider mit Spitzen, Rüschen, detailverliebten Mustern aus zierlichen Blumen oder mit handbestickten Ärmeln – gekrönt von Goldschmuck und Diamanten aller Art. Ob diese Kleider leicht anzuziehen sind, steht auf einem anderen Stoff.

Ungewöhnlich ist die Gestaltung des Palastes. Wirken viele Schlösser wie eine Abänderung des berühmten Neuschwanstein, nutzt Zeichner A-Jin den Vatikan als Inspiration für den Palast, in dem Edith überlebt. Die Sixtinische Kapelle, im Buch ebenso benannt, lädt mit prunkvollem Marmor, hohen Wänden und Bögen ein, die so detailliert vor verschiedenen Mustern strotzen, dass einem schwindelt. Hinzu kommt, wie im päpstlichen Sitz, eine Kunstsammlung, die unter anderem den sonst so kühlen und sehr gut gebauten Killian als jungen Knaben zeigt – Edith nutzt die Gunst, um ihn mit der Kunst aufzuziehen.

A-Jin versteht es, Prunk und Dunkelheit Hand in Hand gehen zu lassen. Der große, lichtdurchflutete Garten mit seinen vielfarbigen Pflanzen steht im starken Kontrast zur Erinnerungswelt der Protagonistin, die von tiefem Schwarz und Rot dominiert wird.

Undurchschaubar wie die Kirche

Der Manhwa investiert – trotz fehlender Kapitel aus der Novel – viel Zeit in seine Figuren. Ediths Gedanken, ob hell oder dunkel, bleiben stets fassbar. Sie ist eine starke Frau und lässt sich nicht in die Opferrolle zwängen – sie bietet Killian, der sie eigentlich am liebsten loswerden möchte, mutig die Stirn. Um Worte ist sie dabei nicht verlegen, sagt ihm offen, dass er nichts über sie wisse, und außerdem, was er über sie gehört hat.

Ihre Offenheit steht im Kontrast zur süßen Lise – sie spielt die unschuldige Maid und spricht viele Gedanken nicht aus –, leider sind diese im Manhwa nicht zu lesen; dafür sind ihre Gefühlsausbrüche ihrer Familie gegenüber umso furchteinflößender. Anders als Edith würde sie alles tun, um das zu bekommen, was sie will – Killian und natürlich mehr Einfluss in dessen Reich.

Der Manhwa baut die Figuren langsam auf und weiß Überraschung, Schock und Ungläubigkeit gut zu verbinden – Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht.

Fazit

EDITH – KEINE GEWÖHNLICHE WIEDERGEBURT zeigt den Kampf einer Frau, die oft getreten wurde, sich aber weigert, aufzugeben. Sie sucht ihren eigenen Weg aus der scheinbar hoffnungslosen Situation und ist fest entschlossen, ein Leben zu führen, das „ihr“ schmeckt – und niemandem sonst.

Die Wendungen, Irrungen und Wirrungen sowie die sich nach und nach entfaltenden Beweggründe anderer Figuren machen den Manhwa zu einem großen Lesevergnügen in dem soft genutzten Genre – eine klare Empfehlung für alle, die starke Frauen mögen und eine Form höfischer Intrigen suchen.

LILI SCHMIRGAL

 

Titel: EDITH – KEINE GEWÖHNLICHE WIEDERGEBURT (Band 1)
Artwork: A-jin
Adaption: DOYOSAY
Originalstory: Lemon Frog
Verlag: Altraverse
Verkaufsstart: veröffentlicht