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16. Oktober 2026


Von: LILI SCHMIRGAL

Der sanfte Riese

MY LOVE STORY MONOGATARI ist ein etwas anderer Manga aus dem Shojo-Genre. Statt hübsches, schüchternes Mädchen trifft Idol-Traumprinz trifft hier ein Brocken auf ein niedliches, etwas naives Mädchen. Genre-Konventionen werden hier mit allem Charme über den Haufen geworfen und erschaffen ein Werk, das in eine Zeit passt, in der Oberflächlichkeit immer mehr zunimmt und die Menschlichkeit außer Acht lässt. Autor Kazune Kawahara erinnert daran, dass Liebe mehr ist als Aussehen und Schönheit.

Takeo ist ein sanfter Riese, der nicht mit Schönheit, dafür aber mit Kraft und Mut gesegnet ist. Takeo verliebt sich in die niedliche Yamato und glaubt anfänglich, sie hätte nur Augen für seinen besten Freund Sunakawa, den er liebevoll Suna nennt. Der aber hat so gar kein Interesse an einer Beziehung, obwohl ihm die Damen zu Füßen liegen – alle außer Yamato. Denn die hat ebenfalls in Takeo verliebt, nachdem dieser sie mehrfach aus unschönen Situationen gerettet hat. Einmal hat er dafür wissentlich eine Suspendierung in der Schule in Kauf genommen ...! Verübeln aber kann man es ihm nicht, traf seine Faust der Gerechtigkeit einen U-Bahn-Grapscher.

Yamato und Takeo kommen sich näher, wobei Suna seinem bärigen Freund öfter unter die Arme greifen muss, ist Takeo trotz allen Mutes in seiner ersten Beziehung und entsprechend unsicher, glaubt er anfangs sogar, Yamato wolle eigentlich Sunas Herz gewinnen. Schnell aber erkennt er, dass Yamato in ihm den Menschen sieht, der er ist – und beide lassen sich auf die erste Liebe ihres Lebens ein – mit Höhen, Tiefen und niedlichen Wirrungen.

Verzicht auf großes Drama, mit zeichnerischer Finesse!

Statt des üblichen Shojo‑Dramas – Missverständnisse, Eifersucht, zehn Kapitel langes „Oh nein, er hat mich vielleicht angeschaut“ – bekommen wir eine Beziehung, die erstaunlich gesund, offen und ehrlich ist. Takeo und Yamato reden offen über ihre Gefühle und Unsicherheiten, die Kommunikation findet nicht ausschließlich im Dunst der Gedanken statt, wie in vielen Vertretern des Shojo-Kosmos. Die weibliche Protagonistin wird zudem nicht die inaktive Prinzessin, die vom Jungen hinter dem Kamin hervorgelockt werden muss – sie steht zu Takeo, selbst dann, als ihre besten Freundinnen sich über sein bäriges Aussehen lustig machen.

Der Dynamik zwischen Takeo und seinem besten Freund ist vor allem die tiefe Bindung anzumerken. Sunakawa sieht in Takeo denselben liebenswürdigen Menschen wie Yamato, anders als sie aber ist eher von stiller Natur, der seinem Inneren eher durch stille Gesten Ausdruck verleiht. Als beispielsweise Yamato Takeo besucht und er zufällig da ist, lässt er den beiden Raum und liest still ein Buch. Im regulären Genre wäre Takeo der „Shojo-Prinz“ – aber hier ist er einfach ein Support – der nicht selten selbst Hilfe braucht und zeitgleich der emotionale Wegweiser für Takeo wird.

Stilistisch folgt der Manga hingegen dem Shojo-Genre – FAST! Während Yamato und Suna wirken, als wären sie einem Werk der 1970er entsprungen, mit zarten Linien, die meinen, mit dünnstem Haarpinsel gezeichnet worden zu sein, rumpelt Takeo durch die Panels wie eine Figur aus einem sperrigen, aber actionreichen Shonen-Werk im Stil von „Dragon Ball“. Das passt zu ihm, denn nicht nur einmal muss Takeo wortwörtlich durch Feuer gehen und Stärke beweisen – seine kantige Struktur ist zwar ein starker Kontrast zur zierlichen Yamato, verleiht dem Werk aber einen außergewöhnlichen Charme.

Die Panelstruktur ist flüssig, die Emotionen sind gut lesbar, und die Action‑Momente (ja, Takeo hat viele davon) wirken teilweise schon slapstickhaft und bewahren dennoch ihre Ernsthaftigkeit.

Fazit:

MY LOVE STORY MONOGATARI ist ein Werk, das sich aus dem Dschungel der Eintönigkeit im Shojo-Genre abhebt. Die offene Kommunikation der Liebenden, deren Eifer, gegenseitig füreinander einzustehen, und die verschiedenen Dynamiken der Figuren untereinander machen das Werk zu mehr – es ist ein Spiegel der aktuellen Zeit. Liebe wirkt heute oft wie ein oberflächliches Gut, in dessen Wettbewerb Aussehen, Geld und Erfolg über allem stehen – dabei vergessen alle Geschlechter, dass Liebe in erster Linie Zuneigung und Verbundenheit ist.

Das Werk bietet hier Entschleunigung, Respekt für beide Seiten der Geschlechter und vor allem ein klares und doch verletzliches Bild einer Beziehung an, bei der Kommunikation und Respekt über den Zwängen und Fängen gesellschaftlicher Cliches stehen. Eine klare Leseempfehlung, nicht nur für die Damenwelt.

Titel: MY LOVE STORY MONOGATARI (Band 1)
Verlag: Panini Manga
Autor: Kazune Kawahara
Zeichner: Aruko
Seitenzahl: 188

 

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