(K)ein Leben unter Wasser
Mit STRAWBERRY MOON – DIE TOCHTER DES MONDLICHTS entführt Laia López ihre Leserinnen und Leser in eine romantische Fantasywelt, die zwar auf vertrauten Meerjungfrauen-Motiven aufbaut, diese aber überraschend modern und niedlich interpretiert. Mit dem ersten der insgesamt zwei Bände erschafft López eine Welt, die zwar fantastisch ist, sich aber in das beliebte Genre des Young Adult einreiht – aber gleichzeitig vieles anders macht.
Ja, so eine Unterwasserwelt hat vieles zu bieten. Wale, Delfine, weite Korallenriffe und unendlich viele Orte, die der Menschheit fremder sind als der Mond oder der Mars. Das denkt sich wohl auch Meerjungfrau Diana, die ihre geschützte und idyllische Lagune verlässt, um an Land zu studieren. Getarnt als Mensch versucht sie, sich im sehr unbekannten Universitätsalltag zurechtzufinden – denn allein mit dem Wissen um Wasser, Meer und Fisch kommt sie in den lerntrunkenen Tagen nicht weit. Doch ihre offene, wenn anfänglich auch schüchterne Art bringt ihr schnell neue Freunde. Ein besonderes Auge wirft sie auf den jungen Mann Eiden.
Aber selbst ein neues Leben abseits vom Meer kann dieses gefährden – nicht zuletzt durch die Aufdeckung des Umstandes, dass menschenähnliche Meereslebewesen existieren. Jede Bindung, die Diana eingeht, ist daher eine potenzielle Gefahr für ihr ganzes Volk und natürlich auch für sie selbst.
Anderer Fokus
Legen andere Romanzen ihren Fokus auf die sich anbahnende Beziehung zwischen zwei Protagonisten, geht López in ihrem Werk einen anderen Weg. Gewiss spielt die aufkeimende Liebe zwischen Eiden und Diana eine große, gewichtige Rolle, aber sie dominiert nicht jeden Handlungsbogen. Stattdessen können Leser Diana dabei begleiten, wie sie versucht, ihren Platz zwischen zwei Welten zu finden, die so unterschiedlich und doch so gleich sind. Es geht um das Finden des eigenen Wertes, des Wertes von Freundschaften und die Frage, was man selbst mit seinem Leben anfangen möchte – damit hebt sich STRAWBERRY MOON – DIE TOCHTER DES MONDLICHT von anderen Young-Adult-Schmökern ab, die sich ausschließlich auf das Romantische konzentrieren.
Dieser Ansatz geht nahtlos in den Meerjungfrauen-Mythos über. Viele Geschichten mit Fokus auf die nixenhaften Meereslebewesen, darunter natürlich die berühmte „Arielle – die kleine Meerjungfrau“, erzählen vom Wunsch, die Unterwasserwelt endgültig hinter sich zu lassen. In STRAWBERRY MOON – DIE TOCHTER DES MONDLICHT kommt das gar nicht erst auf – es ist eine Mischung aus Neugier und Selbstfindung, die Diana in die Menschenwelt treibt. Der Wunsch nach Zugehörigkeit trifft auf Verantwortung gegenüber dem eigenen, schützenswerten Volk und der eigenen Freiheit. Das Meer ist dabei keine Randnotiz, sondern etwas, das Diana trotz allem Menschseinwunsch nicht loslassen kann.
Laia López’ Schreibstil ist leicht zugänglich, gefühlvoll und sehr bildhaft. Die Beschreibungen erzeugen eine märchenhafte Atmosphäre, ohne dabei überladen zu wirken. Besonders die Verbindung aus Fließtext, farbigen Illustrationen und Comic-Elementen verleiht dem Roman einen beinahe magischen Charakter und macht ihn zu einem visuell wie emotional ansprechenden Leseerlebnis.
Fazit:
Insgesamt ist STRAWBERRY MOON – DIE TOCHTER DES MONDLICHT eine charmante Fantasy-Romance für Leserinnen und Leser, die mehr suchen als eine gewöhnliche Liebesgeschichte. Die Mischung aus Universitätsleben, Meerjungfrauen-Mythologie und der Suche nach der eigenen Identität sorgt für eine frische Perspektive auf ein Genre, das ansonsten oft in vertrauten Bahnen verläuft. Besonders Fans von gefühlvollen Geschichten mit märchenhaftem Flair dürften hier auf ihre Kosten kommen.
LILI SCHMIRGAL
Autoren: Laia López
Zeichnungen: Laia López
Verlag: altraverse
Seitenzahl : 201 Seiten