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Selbst zum Comiczeichner werden

Fantasy und Romantasy gehören derzeit zu den beliebtesten Genres überhaupt. Drachen, Fae, Vampire, verwunschene Burgen und geheimnisvolle Heldinnen bevölkern nicht nur Bücherregale, sondern auch die Skizzenblöcke vieler kreativer Fans. Genau hier setzt ICH ZEICHNE FANTASY & ROMANTASY – TECHNIKEN, CHARAKTERE UND EFFEKTE von Juan Calle an.

Das Buch richtet sich an all jene, die einmal versuchen möchten, einen Stift in die Hand zu nehmen, um ihren Ideen Leben einzuhauchen. Das Buch versteht sich aber ausdrücklich nicht als Motivsammlung zum bloßen Abzeichnen und Umändern. Calle beginnt mit grundlegenden Zeichenübungen zu Formen wie Kreisen oder Quadern, aus denen sich im Laufe der Übungen ganze Proportionen für Drachen und Posen für Magier ergeben.

Diese sehr einfache Herangehensweise macht das Buch sehr zugänglich, da selbst Unerfahrene schnell einen kleinen Drachen auf das Papier gezaubert bekommen und dabei spielend leicht erste Zeichenerfahrungen sammeln können. Hinzu kommt, dass die Erklärungen sehr einfach und verständlich formuliert sind; auf Fachbegriffe wird bewusst verzichtet. Stattdessen gibt es zahlreiche Illustrationen und Motive, die den Zeichenprozess anschaulich unterstützen.

Einfach vielfältig

Inhaltlich bleibt das Buch bei seinem thematischen Kern: Fantasy und Romantasy. Statt sich auf allgemeine Zeichenlektionen zu beschränken, wie es aus ähnlichen Büchern bekannt ist, konzentriert sich das Buch auf all jene Figuren, die in den Märchenlanden vorkommen: Ritter, Drachen, Vampire, Feen, Trolle und natürlich entsprechende Hintergrundmotive wie Burgen oder Schiffe. Dabei wird nicht allein beschrieben, wie die Figuren gezeichnet werden können, sondern auch, was es zu beachten gilt – etwa, dass die Flügel bei Drachen anders aussehen, wenn sie am Körper angelegt sind, oder dass Vampire sich anders bewegen als Ritter und entsprechend dynamischere Posen verlangen.

Die gezeigten Motive werden Schritt für Schritt erklärt und aufgebaut, sodass aus einfachen Rundungen und Klötzen schnell wunderschöne Figuren entstehen. Selbst für all jene, die mit weißem Papier Probleme haben – denn freihändiges Zeichnen will geübt sein –, bietet das Buch Übungsraster. Sie erlauben es, die Vorlagen gezielt nachzuempfinden und in die entsprechenden Raster zu übertragen. Dadurch entwickelt sich bei fleißigem Üben ein erstes Gefühl für räumliches Denken und Bildaufbau. Gerade Anfänger haben es so leichter, einen Blick für Größen und Details zu trainieren.

Das Auge zeichnet mit

Im Restaurant genießt das Auge mit, beim Zeichnen ist es ähnlich. Die farbige Gestaltung des Buches lässt die Welten und Figuren lebendig wirken – dabei wirkt es trotz aller Fantasy nicht aufdringlich. Die Motive sind bewusst einfach gehalten, um die Zielgruppe nicht mit optischen Reizen zu erschlagen. Gleichzeitig kitzelt der Autor so das Hirn seiner Lernwilligen und lädt sie ein, selbst kreativ aktiv zu werden. Der Spagat zwischen Lehrbuch und Ideenfindung gelingt tadellos. Ob Drache mit oder ohne Hörner oder dem gefürchteten Höllenhund Kerberos statt eines Halsbands Schleifchen zu geben – all das obliegt dem Zeichner.

Der leider begrenzte Umfang von 128 Seiten sowie die Idee, ein Buch für Einsteiger zu schaffen, lassen natürlich tiefreichende anatomische Fragen sowie ausführliche Perspektivstudien hinten herunterplumpsen. Wer in diesem Buch nach Antworten auf perfekt gotische Bogenarchitektur sucht, sollte sich woanders umsehen. „Ich zeichne Fantasy & Romantasy – Techniken, Charaktere und Effekte“ ist ein Einstieg in die Welt des Zeichnens. Ein leichter Einsteigerkurs für alle, die magische Welten immer faszinierend fanden und sich tiefer mit ihnen befassen möchten.

LILI SCHMIRGAL

Titel: ZEICHNE FANTASY & ROMANTASY – TECHNIKEN, CHARAKTERE UND EFFEKTE
Autor: Juan Calle (mit William Potter)
Verlag: Bassermann
Seitenzahl: 128 Seiten
Land: USA 2026

 

 

Juan Calle, Ich zeichne Fantasy & Romantasy – Techniken, Charaktere und Effekte