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Bundespräsident mit der Lizenz zum Lachen

„Miss Merkel“ erhält weniger prominente Gesellschaft: Bestseller-Autor David Safier schickt in 00 LASCHET einen weiteren CDU-Politiker ins Rennen – dieses Mal nur top secret.

Wenn Serien oder auch Bücherreihen besonders gut laufen, aber sich langsam aber sicher auserzählt haben, rücken Nebenfiguren in den Fokus und erhalten ihren eigenen Ableger. Während aktuell mit „Stuart Fails To Save The Universe“ ein gelungenes Spin-Off von „The Big Band Theory“ auf HBO Max an den Start ging, ist 00-LASCHET trotz eines vordergründigen Schmunzel-Humors das komplette Gegenteil. Nicht zuletzt, weil Autor David Safier seine inhaltlich arg luftig geratene Agentenposse zwar selbst als Spin-Off seiner „Miss Merkel“-Krimis bezeichnet, obwohl Armin Laschet darin nicht wirklich vorkam. Aber Marketing ist ja bekanntlich alles.

Der einstige CDU-Kanzlerkandidat, der nicht zuletzt durch sein unpassendes Lachen während einer Pressekonferenz zur Flutkatastrophe im Ahrtal für Aufsehen sorgte, tritt in dem Roman in die Fußstapfen von Frank-Walter Steinmeier (SPD). Als Bundespräsident fühlt sich der gebürtige Aachener trotz weiter Entfernung von seiner Familie auch pudelwohl, schließlich muss er keine Verantwortung mehr übernehmen. Doch dann stellt sich heraus, dass ein ultrageheimer Geheimdienst im Schloss Bellevue sitzt und noch geheimere Bedrohungen abwendet. Als der abends zum Kühlschrank schlurfende Biedermann von einem MI6-Agent bedroht wird, schlittert Laschet immer tiefer in ein Agentenabenteuer, in dem es um Hypnose hochrangiger Politiker weltweit geht... 

Der pummelige Laschet liest Dossiers kaum, füttert abends eine kleine Maus mit Käse, sabbert beim Empfang im englischen Königshaus Camilla auf die Hand, wird in Saint Tropez von Popsängerin Madonna angebaggert und liefert sich auf Drängen seiner Social Media-Beraterin Kimmi mit Rivale Markus Söder (CSU) ein Battle um Ernährung und Termine bei der Darmkrebsvorsorge. Bei 00 LASCHET lässt der Autor keine Gelegenheit aus, sich über seinen ebenso mutlosen wie piefigen und tapsigen Antihelden lustig zu machen. Darf man das? Natürlich. Befördert es die immer größere Respektlosigkeit gegenüber Politikern? Auch – und dem sorglosen David Safier, der auch über Frank-Walter Steinmeier, den ehemaligen ungarische Ministerpräsidenten Viktor Orbán, den namenlos bleibenden slowenische Ministerpräsidenten (hätte man auch recherchieren können: Janez Janša heißt er), die AfD oder verstrahlte US-Tech-Gurus ulkt (einem davon soll „Problembundesland“ Thüringen für ein riesiges Rechenzentrum verkauft werden), ist das herzlich egal. Für den nächsten Bestseller wird es schon reichen.

Wiederholtes und arg bemühtes Foreshadowing versucht in den 70 nur im Schnitt vier Seiten umfassenden Kapiteln mit albernem und aufgeblasenem Agentenplot zumindest einen Hauch von Spannung aufzubauen. Das entspricht in etwa der beschränkten Aufmerksamkeitsspanne von Tik-Tok-Nutzer*innen – und liest sich als Fettnapf-Nummernrevue auch genauso sprunghaft. Und warum zur Hölle, zerteilt Safier ständig seine wörtlichen Reden? „Das“, so meine ich forsch, „zeugt von einem hölzernen Stil.“ Auch wenn das Buch hin und wieder schmunzeln lässt: Literarisch gesehen wahrlich eine (Doppel-)Nullnummer.

LUTZ GRANERT

Titel: 00 LASCHET
Autor: David Safier
Verlag: Rowohlt Kindler
Erscheinungsform/Seitenzahl: Paperback, 288
Verkaufsstart: veröffentlicht

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