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Drachen als Lehrer

Seit Jahrtausenden prägen Magie, Macht und zerbrechliche Allianzen die Welt von Al'Ein. Die deutsche Autorin I.B. Zimmermann verwebt in ihrem Werk IM REICH DES TODESDRACHEN – das den Auftakt zur „Atlas des Äthers“-Reihe bildet – Drachen und Magie zu einem spannungsgeladenen Werk, bei dem die mächtigen Echsen nicht immer die Todesbringer sind.

Die Geschichte folgt Jasov, einem Zauberer mit ungewöhnlicher, mächtiger Magie, die er selbst nicht zu bändigen vermag. Jasov ist nicht nur für sich selbst eine Gefahr, sondern auch für seine Liebsten. Auf der Suche nach Hilfe gerät er in einen Konflikt, der weit größer ist als er selbst. 

Gestörte Magie an den Grenzen des Landes, verschwundene Spione und ein Machtgefüge, das jederzeit kippen könnte, scheinen geradezu auf einen Magier zu warten, der mit einem Knall all das beenden kann.

Die Welt ist geprägt von alten Wunden zwischen Drachen und Menschen, und die Frage, ob Koexistenz möglich ist – aber sind es eben jene Drachen, bei denen Jasov hofft, Antworten über seine magischen Kräfte zu finden. Jede Figur und jeder Ort scheinen dabei ein kleines Puzzle in einem großen Ganzen zu sein, das Jasov ergründen muss – eine Reise, die ihn nachhaltig verändern soll …

Drachenhaftes Leseerlebnis

Anfänglich herrscht wie in vielen High Fantasy-Werken à la Herr der Ringe oder Game of Thrones“ – Orientierungslosigkeit. Verschiedene Orte, magische Konzepte und natürlich die Namen werden Lesern in den ersten Kapiteln um die Augen geworfen und verlangen jede Hirnwindung Aufmerksamkeit. Aber das Eintauchen in die von I.B. Zimmermann geschaffene Welt lohnt.

Die Handlung entwickelt sich langsam weiter, ohne – und das hebt IM REICH DES TODESDRACHEN von anderen Werken des Genres ab – ohne langatmig zu werden. Den verschiedenen Figuren wird schnell eine Persönlichkeit auf den Leib geschneidert – selbst den Drachen. Ein Beispiel ist hier Dragul.  Dragul ist einer der ältesten Drachen, ein Wesen, das Jahrtausende auf dem Buckel hat. Doch statt unnahbarer Allmacht spürt man bei ihm die Last politischer Verantwortung: Er muss zwischen Frieden und Krieg, Tradition und Wandel vermitteln. 

Diese Spannung verleiht ihm trotz seiner Drachenhaftigkeit etwas zutiefst Menschliches. Dabei tritt er weder als Mentor für Jasov noch als Antagonist auf. Seine Entscheidungen wirken oft streng oder unberechenbar, aber nie willkürlich. Man spürt, dass er versucht, das größere Ganze zu schützen – selbst wenn das bedeutet, Einzelne zu opfern.

Seine Beziehung zu Jasov ist der Zündstoff des ersten Bandes. Aufgrund seiner immensen Macht sieht Dragul in Jasov sehr wohl eine Gefahr – denn wer Macht dieses Ausmaßes nicht zu bändigen vermag, verbrennt auf lange Sicht nicht nur sich selbst. Aber auch sieht er in ihm eine Möglichkeit – eine Art Hoffnungsträger.

Diese doppelte Charakterbildung ist es, die IM REICH DES TODESDRACHEN nie langweilig werden lassen. Alles hat mehr als eine Facette und die Erkundung belohnt.

Fazit:

IM REICH DES TODESDRACHEN ist ein Auftaktband, der viel verspricht: eine komplexe Welt, starke Charaktere und ein Konflikt, der weit über persönliche Schicksale hinausreicht. Die Auflage mit einer Mischung aus Graphic Novel und klassischem Roman vertieft das Leseerlebnis zusätzlich.

Das Buch richtet sich klar an erfahrene Fantasy-Liebhaber, die Freude an dichten Welten und weitläufigen Erzählbögen haben. 

Wer bereit ist, sich auf die Fülle an Informationen einzulassen, wird mit einer fesselnden und abwechslungsreichen Reise belohnt, die Lust auf die folgenden Bände macht. 

LILI SCHMIRGAL

Originaltitel: IM REICH DES TODESDRACHEN (Atlas des Äthers Band 1)
Autor: I.B. Zimmermann
Seiten: 704
Verlag: YUNA
Veröffentlichung: Veröffentlicht