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Das beginnt schon in der formalen Aufteilung ihres 289 Seiten umfassenden Romans in vier Sätze, die jeweils in mehrere Kapitel unterteilt sind. Denn: Der Protagonist ist Leon Yoshio Maibach, ein Starpianist der Hamburger Elbphilharmonie, der sich zusammen mit seiner verpeilten Stiefschwester Kiyomi und seiner Entourage zum Komponieren einer Elegie in sein großes, denkmalgeschütztes Haus mitten in der Lüneburger Heide nahe des Höpenbergs zurückgezogen hat. Als im Mai 2020 vom Hamburger Stadtteil St. Pauli ausgehend eine Zombie-Epidemie um sich greift, versucht er vergeblich seine in der Hansestadt lebende Frau Fenja zu erreichen. Einige Wochen später stößt durch Zufall eine bunt zusammengewürfelte Truppe zu ihnen: Der aggressive Familienvater Simon, seine stumme Tochter Izzie, die beiden Freundinnen Nicole und Marah – und Hannes, ein Teenager und stellvertretender Schützenkönig aus dem Nachbarort Verborn. Was nur Marah weiß: Nicole hat Krebs im Endstadium – und bald gehen die Medikamente zuende. Doch nicht nur das: Irgendwann findet auch Yoshs Freundin Vero aus Hamburg zu ihm und erzählt von einem dänischen Schiff namens „Agatha“, welches die Elbe hinauf fährt, um das inzwischen abgeriegelte Deutschland Richtung Tschechien zu verlassen...



Journalistin Janika Rehak schrieb bereits einige Kurzgeschichten und ihr ist ein hervorragendes Gespür für eine mythische Atmosphäre anzumerken. Die karge Heidelandschaft wird zum Ort der spukenden Gespenster – ein Motiv, das sich nicht nur durch eine varriierte, japanische Kindererzählung um einen Geisterschrank wiederfindet. Auch Musikliebhaber kommen auf ihre Kosten – nicht nur in Form einer Klassik-Playlist als Zugabe nach dem Roman. So brütet Yosh, der in Alltagsszenen Noten entdeckt, ohne Realitätsbezug an seinem Steinway (ein Flügel, kein Klavier – ein wiederkehrender running gag) immer noch über seiner unvollendeten Elegie, die einfach zu sehr nach Ryūichi Sakamoto klingt. Geschickt webt Janika Rehak als Intermezzi ihrer spannenden Symphonie des Grauens immer wieder kurze, prägnante Rückblenden ein, wie sich bestimmte Akteure kennengelernt haben oder aus welchen Situationen sich ihre Konflikte speisen.
In dem – gerade in Person von Kiyomi – eher schauerromantischen als alptraumhaften, aber nicht minder brutalen Szenario bremsen einige retardierende Elemente die Geschichte etwas aus. Janika Rehak legte zwar bei den Charakteren erfrischend viel Wert auf Psychologisierung, was den Figuren in ELEGIE ein gewisses Maß an Authentizität verleiht. Dass aber etwa Hannes' Gedanken immer wieder nur um verfügbare Munition, den Vorwurf von Drogenkonsum durch seine Mutter und – noch so eine Geistergeschichte – die toten Freunde im Laderaum eines Kleintransporters kreisen, wirkt zuweilen etwas simpel. Und auch der vorhersehbare Klimax wirkt konstruiert und wird erzählerisch etwas wirr und unklar aufgelöst. Doch sei's drum: ELEGIE ist ein stimmungsvoller Abgesang auf die Geister der Vergangenheit – und einer der bis dato stärksten Beiträge zur „Zombie Zone Germany“-Reihe.

LUTZ GRANERT

Titel: ZOMBIE ZONE GERMANY: ELEGIE
Autorin: Janika Rehak
Verlag: Amrûn Verlag
Seitenzahl: 300