Großes Kino!

Eine kleine Vorschau auf die cineastischen Highlights der kommenden Wochen und Monate.

 

Eine kleine Vorschau auf die cineastischen Highlights der kommenden Wochen und Monate.

MARKETA LAZAROVÁ

Kino Vorschau Marketa Lazarova

Die Zeit des Prager Frühlings war auch für das tschechoslowakische Kino eine goldene Zeit. Drop-Out Cinema bringt nun 50 Jahre nach seiner Veröffentlichung einen der epochalsten, mystischsten, wenn nicht den besten Film dieser Ära in die deutschen Kinos. Mit Texttafeln werden dabei die einzelnen Kapitel eröffnet, die wie mittelalterliche Chroniken die folgenden Ereignisse zusammenfassen. Daraufhin werden die kurzen Zeilen mit Leben gefüllt – aber mit einem widerspenstigen Leben.

Was sich geschrieben noch einfach anhört, bleibt meist spröde in den poetischen Bildern gefangen. Regisseur Frantisek Vlácils Film ist weit weg vom vor einem Jahr in den Kinos gelaufenen „Es ist schwer, ein Gott zu sein“, und doch teilen sie sich einen Blick auf eine vergangene Zeit, die mehr bildgewaltiges Rätsel ist als einfache Aufarbeitung. Zwei Diebes-Clans kämpfen gegeneinander. Heiden- kämpft gegen Christentum, Schönheit gegen Hässlichkeit, Verstand gegen Gefühl. Ein Gedicht, das erst auf der Leinwand seine volle Kraft entwickelt, bekommt nun ein neues Leben in seinem eigentlichen Habitat. (RW)

PRODUKT-INFO
Titel: MARKETA LAZAROVÁ
Land/Jahr: Tschechoslowakei 1967
Label: Drop-Out Cinema/Bildstörung
FSK & Laufzeit: keine Angabe, ca. 162 Min.
Kinostart: 1. Dezember


ELLE

Kino Vorschau ELLE c SBS productions

Im hohen Alter von nunmehr 78 Jahren will es der einstige Skandal-Regisseur Paul Verhoeven („Basic Instinct“, 1992) noch einmal wissen und schickt eine einnehmende Isabelle Huppert („Alles was kommt“) auf eine – im buchstäblichen Sinne – nicht immer stilsichere, aber wendungsreiche Tour de Force. Von einem unbekannten Einbrecher vergewaltigt, lässt sich die selbstbewusste Michèle (Huppert) nicht in die Opferrolle drängen, sondern rüstet sich zur körperlichen und emotionalen Gegenwehr.

Irgendwo zwischen Psychodrama und brutalem Thriller steigt „Elle“ – wenn auch subtiler als früher – wieder hinab in jene Untiefen des archaisch-brachialen „Sex & Crime“-Kinos Verhoevens. Gewalt entlädt sich nur punktuell, die menschlichen Abgründe klaffen umso tiefer, sodass es nicht verwundert, dass keiner der Charaktere ans Herz wachsen kann. Die über zwei Stunden Laufzeit fühlten sich auf dem Filmfest Hamburg allerdings trotz aller faszinierenden Doppelbödigkeit etwas zäh an. (LG) 

PRODUKT-INFO
Titel: ELLE
Land/Jahr: Frankreich/Deutschland/Belgien 2016
Label: MFA
FSK & Laufzeit: keine Angabe, ca. 130 Min.
Kinostart: 2. Februar 2017


DIE ROTE SCHILDKRÖTE

Kino Vorschau Die rote Schildkroete c Universum Film 01
Was kommt heraus, wenn man eine franko-belgische Zeichentradition à la „Tim & Struppi“ mit den herzerwärmenden Animationen eines Studio Ghibli kreuzt? „Die rote Schildkröte“ schafft es tatsächlich, beeindruckend stimmig diese beiden Animationskulturen zusammenzubringen. Ein Schiffbrüchiger versucht, eine einsame Insel mit selbstgebauten Booten zu verlassen, doch eine rote Schildkröte hält ihn immer wieder davon ab. Irgendwann dreht er das widerspenstige Tier auf den Rücken – und heraus schlüpft eine nymphenhafte Frau, in die er sich verliebt.

Dem oscarprämierten niederländischen Regisseur und Zeichner Michael Dudok de Wit (Bester animierter Kurzfilm: „Father & Daughter“, 2000) gelingt ein einfühlsames, an Metaphern reiches Märchen in wunderschönen poetischen Bildern, das zu Tränen rührt – und ohne Dialog auskommt. Gefühle wie Liebe, Wut und Trauer sind nämlich eine universale Sprache des Herzens. (LG)

PRODUKT-INFO
Titel: DIE ROTE SCHILDKRÖTE
Land/Jahr: Japan/Frankreich/Belgien 2016
Label: Universum
FSK & Laufzeit: keine Angabe, ca. 80 Min.
Kinostart: 1. Quartal 2017