Schwarze Milch

Schwarze Milch

Uisenma Borchu verbrachte ihre ersten Lebensjahre in der Mongolei, bevor sie 1989 mit ihrer Familie in die untergehende DDR übersiedelte. Während ihre Eltern noch aus einer Nomadenfamilie stammen, ist sie sesshaft aufgewachsen – doch die Hin- und Hergerissenheit bestimmt bisher ihr Schaffen als Filmemacherin und Schauspielerin. Schwankte sie als Hedi in ihrem Debüt „Schau mich nicht so an“ (2015) noch zwischen der Liebe zu einer anderen Frau und einem älteren Herren, wird sie als westlich aufgewachsene Protagonistin in SCHWARZE MILCH mit der traditionellen Lebensweise ihrer Vorfahren konfrontiert.

Nachdem sie sich mehrere Jahre nicht gesehen haben, besucht die in Deutschland lebende Wessi (Uisenma Borchu) ihre schwangere Schwester Ossi (Gunsmaa Tsogzol), die immer noch als Nomadin und Ziegenzüchterin in der mongolischen Steppe lebt und sich dem bestehenden Patriarchat unterordnet. Das kann die freiheitsliebende Wessi nicht verstehen, die zudem ein Auge auf den verschrobenen Eigenbrötler Terbish (Terbish Demberel) geworfen hat, der nur eine Jurte weiter lebt...

Leider verläuft die Geschichte von SCHWARZE MILCH mit zunehmender Laufzeit in vorhersehbaren Bahnen. Die vorsichtige Annäherung der beiden Schwestern erfolgt zaghaft, dann wieder die Entfremdung vor einer beinahe schon semi-dokumentarischen Schilderung des Viehhirten-Alltags in der Leere der mongolischen Steppe. Das Töten einer Ziege (Durchtrennen der Aorta) und die (letztlich ergebnislos bleibenden) drohenden Flüche gegen einen Vergewaltiger werden dabei etwas fragwürdig zu Akten weiblicher Emanzipation stilisiert.

Umso überraschender ist der Auftritt von Shootingstar Franz Rogowski (aktuell auch in „Undine“ im Kino zu sehen), der an zwei Drehtagen zugegen war. Er verkörpert Wessis ruppigen Freund Franz, kommentiert im Unterhemd gleich mal die laufende Folklore-Musik ruppig mit „Muss das Gedudel sein?“ und hat gleich darauf leidenschaftlosen Sex mit ihr. Soviel Virilität gleich in den ersten drei Filmminuten! Nur leider verabschieden sich dann er und mit ihm jegliche Widerborstigkeit komplett aus dem etwas zu langatmig geratenen Film.


LUTZ GRANERT

Titel: SCHWARZE MILCH
Verleih: Alpenrepublik
Land/Jahr: Mongolei/Deutschland 2020
FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 91 Min.
Kinostart: 23. Juli

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