Jack Wolfgang Band 1

Jack Wolfgang Band 1

Comic-Kenner wissen längst, dass anthropomorphe Tiere keineswegs nur etwas für Kinder sind. Nicht zuletzt Bryan Talbot zeigt ja seit fast einem Jahrzehnt mit seiner genialen „Grandville“-Reihe (bisher vier Bände auf Deutsch bei Schreiber&Leser), wie sich tierische Protagonisten mit spannender und actionreicher Comic-Kunst für Erwachsene verbinden lassen. Beim tierischen Spionage-Adventure JACK WOLFGANG – BAND 1: DER WOLF IST LOS haben die Tiere in einem jahrhundertelangen Kampf ihre Unabhängigkeit vom Menschen errungen, den intelligenteren Exemplaren wird gar eine Schulbildung ermöglicht. Nach dieser Exposition entführt der Comic ins New York der Jetzt-Zeit und führt den Titelhelden Jack Wolfgang ein. Der Wolf ist nicht nur ein weltberühmter Restaurantkritiker, sondern „nebenbei“ auch Spion der CIA,  der sich es mit tierischen und humanen Bösewichten gleichermaßen anlegt – und noch dazu ein echter Frauenheld, der sowohl bei tierischen und als auch menschlichen Weibchen sehr gut ankommt. Im ersten Band führt ihn seine Agententätigkeit u.a. nach Frankreich und Indien.

Das Szenario lieferte der Belgier Stephen Desberg, der u.a. „Der Stern der Wüste“ und „Der Skorpion“ (mit Enrico Marini als Zeichner) realisierte. Mit Zeichner Henri Reculé arbeitete Desberg bereits ab 2007 an der neunbändigen Serie „Cassio“ sowie zuletzt an „Die Unsterblichen“; beide kennen sich also aus vielen Jahren gemeinsamer Arbeit. Vielleicht wirkt JACK WOLFGANG – DER WOLF IST LOS daher so „aus einem Guss“: atmosphärisch stimmig, unterhaltsam, hier und da aber ein bisschen kalauerlastig. Auffällig sind die tierischen Zwischentöne und Anspielungen: Im Leichenschauhaus arbeitet etwa ein Aasgeier; im indischen Jodhpur erspäht der aufmerksame Leser die Tigerin Tigress aus „Kung Fu Panda“ und ein gewisser Eisbär im Anzug erinnert deutlich an die Mafia-Handlanger aus Disneys „Zoomania“. Weniger subtil fällt hingehen die sprachliche Ebene aus: Die Figuren plappern erstaunlich viel über sich und ihre Bedeutung für die Handlung – kaum etwas wird hier dem Zufall (oder der Phantasie des Lesers) überlassen; stattdessen sind die Sprechblasen gefüllt mit ausschweifenden Expositionsdialogen, die uns immer deutlich sagen, wen wir da gerade vor uns haben, was sie zuletzt getan haben, was sie gleich tun werden und was sie denken.

Wer aber über dieses kleine Manko hinwegsehen kann, den wird dieser Agenten-Wolf großartig unterhalten. Besonders optisch ist der Band ein Genuss: wunderbar dynamisch und gleichzeitig filigran gezeichnet, und das durchaus auch mit einer Prise Sexappeal.

 

FRANK KALTOFEN

 

Titel: JACK WOLFGANG – BAND 1: DER WOLF IST LOS

Zeichnung: Henri Reculé / Szenario: Stephen Desberg

Verlag: Schreiber&Leser

Erscheinungsform/Seitenzahl: gebunden, 64 Seiten

Verkaufsstart: veröffentlicht

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