Bates Motel - Staffel 5

Bates Motel - Staffel 5

Das Muttersöhnchen sagt „Auf Wiedersehen“

Norman Bates ist eine Kultfigur, deren eigenwilligen Charakter und Hintergrundgeschichte eine Serie hervorragend zu erzählen wusste. Doch mit der abschließenden fünften Staffel, die nun auf DVD und Blu-ray vorliegt, schließt BATES MOTEL nun endgültig seine Türen. Leider.


Die Idee, erfolgreiche Kinofilme in Form einer TV-Serie zu adaptieren, ist ja derzeit keine Seltenheit. Dies gelingt mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. BATES MOTEL nahm sich nun der Hitchcock-Verfilmung des Robert Bloch-Romans „Psycho“ an, aber ging durchaus eigene Wege, welche über die Vorlage(n) hinausgingen. Die bekannte Geschichte wurde in die Gegenwart verlegt, und man wird Zeuge, wie Norman Bates zu dem irren Killer wird, den man aus der Kinoreihe kennt. Doch BATES MOTEL geht tiefer. Normans Charakter wurde detailliert ausgearbeitet, und man lernte ihn, sein Umfeld und seine Familie im Laufe der fünf Staffeln kennen und mögen.

Hat man in den ersten drei Staffeln noch viele Nebenhandlungen, die die Serie ein wenig in „Twin Peaks“-Richtung drängten, konzentrierte man sich ab Staffel vier auf den geistigen Verfall Normans. Nun kommt seine Geschichte zu einem Ende. Am Ende von Staffel vier hat Norman seine Mutter getötet und scheint endgültig dem Irrsinn verfallen zu sein. Gut 18 Monate nach diesen Ereignissen treffen wir ihn wieder. Offiziell hat sich seine Mutter das Leben genommen. Norman führt das Motel weiter, hat keinen Kontakt mehr zu seinem Bruder und dessen Frau und scheint ein recht normales Leben zu führen. Doch irgendwann taucht Norma wieder auf, und eine Spirale schrecklicher Ereignisse wird in Gang gesetzt, die Tod und Verzweiflung für alle in Normans Umfeld nach sich ziehen wird. „Mutter“ übernimmt immer mehr die Kontrolle über Norman, und wo Norman der freundliche und gute Teil seiner Persönlichkeit ist, ist „Mutter“ der böse, dunkle und mörderische.

Zwar versucht Norman, aus der Spirale des Wahnsinns auszubrechen, doch letztendlich ist Norma stärker, und die dunkle Seite, die eigentlich nur versucht, Norman zu schützen, dabei aber über Leichen geht, gewinnt die Oberhand. So müssen immer mehr Leute sterben, die hinter sein Geheimnis kommen, und als Norman sich in eine junge Frau verliebt, die seiner Mutter optisch extrem ähnelt, kommt es zur Katastrophe und zum großen Konflikt zwischen seinen beiden Persönlichkeiten. Als dann immer mehr von Norma(n)s Untaten ans Licht kommen, ist auch der kriminelle Ex-Mann Normas zur Stelle, der den Tod seiner Frau rächen will, und Normans Bruder, der verzweifelt um die Seele seines Bruders kämpft. Doch diese Geschichte kann nicht gut ausgehen und das „Happyend“ ist ein bitteres…

BATES MOTEL ist weitaus mehr als eine Adaption oder ein bloßes Prequel der bekannten Geschichte, das zeigt sich besonders, wenn nun in Staffel fünf Schlüsselmomente des Kino-Klassikers auf gänzlich andere Weise adaptiert werden. Sowohl Marion Crane erfährt ein völlig anderes Schicksal als bisher, und die Interpretation des ikonischen Duschmordes ist verdammt originell. Auch endet die Serie definitiv nicht so, wie man es erwartet hätte! Die TV-Serie hat sich von den Vorlagen freigeschwommen und erzählt die Geschichte von Norman Bates neu und auf eigene Weise, bleibt dem Geist des Originals treu, aber geht eigene Wege.

Nicht nur, dass BATES MOTEL zu den wenigen Serien gehört, die im Laufe der Zeit immer genialer wurden und nicht eine schwache Folge aufweisen, nein, es mag blasphemisch klingen, aber die TV-Serie ist qualitativ dem Hitchcock-Klassiker ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. Besonders würdigen muss man hier die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller Vera Farmiga und Freddy Highmore. Highmore begeisterte am Anfang dadurch, dass er sich die Körpersprache, die Gestik, die Mimik von Anthony Perkins aneignete und so wie ein jüngeres Ebenbild von ihm wirkte, was auch seiner Ähnlichkeit mit ihm geschuldet war. Doch im Laufe der Serie machte er sich den Charakter Norman Bates immer mehr zu Eigen und drückte ihm seinen ganz eigenen Stempel auf, sodass er letztlich eine auf dem Original basierende, eigenständige, aber charaktertreue Interpretation der Figur schuf. Dies gelang ihm so dermaßen genial, dass Freddy Highmore nun Norman Bates ist! Seine Darstellung der Figur lässt einen Perkins‘ Interpretation beinahe vergessen, denn Highmore schlägt ihn um Längen. Der Norman Bates aus BATES MOTEL ist eine lebendige, vielschichtige Persönlichkeit, mit der man mitfühlt. Trotz seiner schrecklichen Taten mag man ihn und hat Mitleid mit dem psychisch kranken jungen Mann, der eigentlich nur das Opfer seiner Erkrankung ist und nicht ausschließlich böse, auch wenn er Böses tut.

Es ist schade, dass die Serie beendet ist, doch haben die Produzenten alles richtig gemacht, denn sie haben die erfolgreiche Serie nicht bis zum Ende hin ausgereizt, sondern über einen nicht zu langen, aber auch nicht zu kurzen Zeitraum eine geniale Geschichte erzählt. Auch der Mut, eine eigene „Psycho“-Interpretation zu schaffen, verdient Anerkennung. Zeitgleich mit der DVD, bzw. Blu-ray der abschließenden Staffel kommt auch eine Gesamtbox auf den Markt. Hierbei handelt es sich um einen Pflichtkauf, denn BATES MOTEL gehört definitiv zu den besten TV-Serien aller Zeiten.

OLAF BRINKMANN


Titel: BATES MOTEL – Staffel 5

Label: Universal

Land/Jahr: USA 2016

FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 430 Min.

Verkaufsstart: veröffentlicht