Z NATION VOL.2

Z Nation Vol.2

Untot – und Spaß dabei

Laufen war gestern – richtig gefährliche Zombies rennen! Auch Z NATION – Staffel 2 vom TV-Sender Syfy wartet wieder mit zahlreichen originellen Einfällen rund um die menschenhungrigen Horden auf. Dabei wird dieses Mal nicht nur auf Action, sondern auch auf Charakterzeichnung gesetzt. Die Season liegt jetzt auf DVD und Blu-ray vor.

Die Straßen sind verlassen, einzig schrottreife Autowracks versperren den Weg in die scheinbare Freiheit – weg von den Untoten, hin zu einer letzten Enklave. Dahin, wo die Welt vielleicht noch in Ordnung ist. Dahin, wo vielleicht noch etwas Menschlichkeit herrscht im Angesicht der Zombie-Apokalypse, in der sich wild zusammengewürfelte Gruppen von Überlebenden gegen Untote, rivalisiere Gangs oder Machtspiele innerhalb der eigenen Reihen erwehren müssen. Es ist eine dreckige, längst untergegangene alte Welt, in der täglich der Kampf ums Überleben stattfindet. Doch während beim erstaunlich sauberen Quotenprimus „The Walking Dead“ der ehemalige Polizist Rick ein hartes Regiment führt hinter den improvisierten Mauern einer Enklave, ist die Gruppe von Überleben in Z NATION on the road, sitzt quasi bei der Apokalypse in der ersten Reihe – und richtig in der Scheiße. Das ist erfrischend – weil es schlicht etwas realistischer ist.
Eine kurze Rückschau: Am Ende der ersten Staffel von Z NATION gelangt die Gruppe um die Ex-Militäroffizierin Roberta, den Alt-Hippie Doc, Scharfschütze Zehntausend und Murphy (Keith Allan), der immun ist gegen das Zombie-Virus, in ein Labor in Fort Collins, Colorado. Dort wird an einem Impfstoff gearbeitet – doch Murphy verlässt das Labor ohne eine Dekontamination. Daraufhin werden Atomraketen gestartet, die Fort Collins zum Ziel haben. Murphy wird von der Gruppe getrennt. Der NSA-Offizier Citizen Z (DJ Qualls) funkt, dass es wichtig ist, Murphy für die Entwicklung eines Impfstoffes zu finden – doch das ruft zahlreiche Kopfgeldjäger auf den Plan. Die erste Hürde für die wiedervereinte Truppe, die sich bis nach Kalifornien durchschlagen will, wo sich angeblich ein weiteres Forschungslabor befinden soll...

Auch die zweite Staffel von Z NATION gönnt dem Zuschauer keine Verschnaufpause. Nach dem nuklearen Niederschlag geht der sich zunehmend zum Zombie verwandelnde Lebemann Murphy erst einmal mit weiteren Zombies, die er telekinetisch kontrollieren kann, shoppen und füllt schließlich zur eigenen Belustigung einen Stripclub wieder mit Leben. Nachdem Roberta und Co. ihn aufgespürt haben, geht ihre Odyssee weiter. Sie geraten an einen verstrahlten Trucker, dessen Sohn mit seinem Zombiegras für „High“-Zustände sorgt, an eine isolierte Siedlung in Roswell, New Mexico, in der Zombie-Aliens ihr Unwesen treiben, und nicht zuletzt an die Anführerin einer mexikanischen Gangstertruppe...

Schauspielerisch zieht besonders Keith Allan als Scherzbold und Paradiesvogel der Gruppe alle Register. Er gefällt sich spürbar in seiner Rolle als durchtriebener Dandy und Alleingänger. DJ Qualls („Road Trip“, 2000) gelingt es, als gewitzter Nerd im ewigen Eis und Stimme aus dem Äther einen kompletten Handlungsstrang allein zu tragen.

Die Produktionsfirma The Asylum steht mit der „Sharknado“-Reihe oder Mockbustern (preisgünstige Kopien der großen Hollywood-Blockbuster, z.B. „San Andreas Quake“, 2015) für Trash in Reinkultur. Zu einer Zombie-Serie passen diese Voraussetzungen wie die Faust aufs Untotenauge: Gerade die absurden oder manchmal schlicht albernen Einfälle machen Z NATION zu einem kurzweiligen und sogar erfrischend originellen Serien-Highlight. So bekommen es die Überlebenden neben Zombie-Aliens etwa auch mit einem Zombie-Baby oder radioaktiven Blaster-Zombies zu tun. Die Untoten werden nicht einfach nur erschossen – sie werden auch schon mal aufgeblasen, bis sie explodieren oder so von einem LKW überfahren, dass sie erst im Radkasten wirklich dahingerafft werden. Der Einfallsreichtum der Serienschöpfer Craig Engler und Karl Schaefer (er entwickelte unter anderem die Mystery-Serien „Dead Zone“ und „Strange Luck“) ist beeindruckend: Kein splapstickhafter Einfall ist zu absurd, um nicht zumindest in Betracht zu kommen – schließlich will die Altersfreigabe ab 18 Jahren ja ordentlich ausgenutzt werden. Dieser Eindruck von Fun-Splatter manifestiert sich besonders beim witzigen Bonusmaterial von DVD und Blu-ray: Eine „Zombie Kill Reel“ zeigt allen ungeduldigen Gorehounds unter den Zuschauern noch mal alle Zombie-Tötungen der Protagonisten in kurzen Zusammenschnitten.
Die Welt nach der Zombie-Apokalypse ist schmutzig und trist. Warum also sollte sie in einer Serie über die Zombie-Apokalypse anders abgebildet werden? So ist nicht nur der düstere Look (entsättigte Sepia-Bilder) und das rastlose Tempo stimmig, die auch das auch die zweite Staffel von Z NATION vorgibt, auch eine auf das Offensichtliche beschränkte Charakterzeichnung stört zwischen den zahlreichen Shoot-Outs, Zombie-Kills und Verfolgungsjagden im Minutentakt nicht. Dennoch gehört Folge 14, „Wie alles begann“, zu einer der besten der Staffel. Hier erfährt der Zuschauer, welche Jobs alle Hauptfiguren zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Zombie-Apokalypse ausübten. Auch das ist kurzweilig und entbehrt – gerade beim ehemaligen Psychiater Doc – nicht einer gewissen Komik. Ein abermals erfrischender Gegenentwurf zum im Vergleich sterilen großen Bruder „The Walking Dead“, bei dem jede Rückblickfolge inzwischen nur noch zum Gähnen einlädt.
Zum Abschluss der zweiten Staffel von Z NATION wird es dann noch einmal spannend: Was führen die Militärs auf einem U-Boot im Schilde? Das Ende bleibt offen – und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine dritte Staffel. Aber ob diese noch in den USA spielen wird? Auch die kurzweilige zweite Staffel von Z NATION hat ihr Funsplatter-Pulver jedenfalls noch nicht verschossen.

LUTZ GRANERT

Titel: Z NATION – Staffel 2
Label: Universal
Land/Jahr: USA 2016
FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 630 Min.
Verkaufsstart: 13. April