| Saw IV (Multimania No.21) |
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SAW IV DIE BÖSEN SPIELE DES MR. JIGSAW - DIE BÖSEN SPIELE DES MR. JIGSAW 2004 VERÖFFENTLICHTE DIE MEHRFACHE MUTTER UND HAUSFRAU STEPHENIE MEYER MIT TWILIGHT DEN ERSTEN ROMAN EINER SERIE, DEREN POPULARITÄT IN DEN USA DEM HARRY POTTER-BOOM IN NICHTS NACHSTAND. SCHNELL GRIFF DER HYPE UM DIE LIEBESGESCHICHTE ZWISCHEN DER HIGHSCHOOLSCHÜLERIN BELLA SWAN UND DEM VAMPIR EDWARD CULLEN AUCH AUF DEUTSCHLAND ÜBER, UND ES WAR ABZUSEHEN, DASS DIE VERFILMUNG NICHT LANGE AUF SICH WARTEN LASSEN WÜRDE. ALS 2005 DER LOW-BUDGET-HORRORFILM „SAW“ IN DEN DEUTSCHEN KINOS ANLIEF, BEKAM DAS GESAMTE GENRE EINEN WAHNSINNIGEN SCHUB. EINE ORIGINELLE GRUNDIDEE, GEPAART MIT EINEM GRIMMIGEN HÄRTEGRAD, ENTZÜCKTE DAS PUBLIKUM UND SELBST DIE ANSONSTEN EHER HORRORFILM-SKEPTISCHE FILMKRITIK FAND LOBENDE WORTE. DEM GESETZ DER BRANCHE FOLGEND, BLIEB ES NICHT BEI EINEM TEIL, MITTLERWEILE IST DAS FRANCHISE BEI TEIL VIER ANGEKOMMEN. DER CHARME DES ERSTEN TEILS, SO DIE MEINUNG VIELER KRITIKER, DER IN SEINEM BEGRENZTEN SZENARIO UND SEINER PSYCHOLOGISCHEN AUSRICHTUNG LAG, HAT SICH MITTLERWEILE TOTGELAUFEN. Überzeugung sind – und wahrscheinlich liegen sie da nicht einmal besonders falsch – dem Publikum ginge es genau darum, Terror & Twist, wird sich auch nichts ändern. Der vierte Teil jedenfalls liegt voll im Fahrwasser der Vorgänger: An derben Szenen wird nicht gespart. Selbstverstümmelung, zerfetzte Körper, eine abgezogene Kopfhaut – alles dabei. Und auch wenn im Gegensatz zu Teil drei die Brutalität vielleicht ein kleines bisschen runter gedreht wird, werden diejenigen, die immer noch Fans der Reihe sind, voll auf ihre Kosten kommen! Den fast ausschließlichen Zweck der Fortsetzungen sehen nicht wenige darin, möglichst viele Gewalt und Folterszenen aneinander zu reihen. Doch obwohl sich die Kritik schnell von der Reihe distanzierte, fand diese nach wie vor ein großes Publikum. „Saw IV“, der im Februar 2007 in den Kinos startete, wird nun von Kinowelt in drei verschiedenen Versionen veröffentlicht: Als 88-minütige Kinofassung, als entschärfte Fassung von ca. 80 Minuten und auf Blue-Ray (92 Minuten) mit einer Menge Extras (Darrens Videotagebuch, Die Fallen und Requisiten von „Saw IV“, Deleted Scene, Kurzfilm “Kingz”, Behind the Scenes, Musikvideo “I.V.”, Kinotrailer, TV-Spots, Interviews, „Saw IV“ Online (BD Live), Easter Egg, Trailer). Wie alles begann: Eine kurze Geschichte der Säge Alles begann mit zwei Männern, einem Raum und einer Säge. SAW spielte überwiegend in dem Kellerverlies, in dem Adam (Leigh Whannell) und Lawrence (Cary Elwes) angekettet die perversen Spiele des Jigsaw-Killers spielen mussten. Man erinnere sich an die umfunktionierte Bärenfalle, das Stacheldrahtzimmer u.a. Während sich die anderen Teile mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, lediglich eine Ansammlung von Sadismen zu sein, kann man, wenn man will, im Psychoduell zwischen Adam und Lawrence tatsächlich eine Qualität sehen, die den Sequels fremd ist. Frei von Fehlern war allerdings schon SAW nicht; bei genauerem Hinsehen erwiesen sich die Pläne des angeblich so raffinierten Jigsawkillers als pures Glücksspiel. Den Fans gefiel der Low- Budget-Streifen trotzdem. Das hohe Einspielergebnis (weltweit mehr als 80 Millionen Dollar bei gerade mal 1,2 Millionen Dollar Produktionskosten!) an den Kinokassen ebnete den Sequels den Weg. In Teil zwei weitete sich das Szenario aus. Beschränkte es sich im Vorgänger auf ein Zimmer, ist es im zweiten Teil ein ganzes Haus, in dem die Unglücklichen sich, diesmal unter der Regie von Darren Lynn Bousman, den Fallen des selbstgerechten Killers ausgeliefert sahen. Auch hier geht alles ein bisschen psycho zu, im Vordergrund steht allerdings, wie die Gefangenen sich gegenseitig den Schädel einschlagen respektive in eine der Fallen tappen. Das Ganze ergab unterm Strich noch solide Genrekost, doch die Atmosphäre des ersten Teils blieb – wie in allen weiteren Teilen – unerreicht. Ein paar Fans wendeten sich ab, ein paar neue kamen hinzu. Nach dem Motto ‘Viel hilft viel’ steigerte sich im dritten Teil noch einmal der Härtegrad (Ein Gefangener muss sich Metallhaken aus dem Körper reißen, ein anderer droht an pürierten Schweinen zu ertrinken etc.), und das Szenario wurde auf eine ganze Fabriketage ausgeweitet. Neben der obligatorischen Gewalt rund um Vater Jeff (Angus Macfadyen), der die Chance bekommt, sich für den Unfalltod seines geliebten Sohnes zu rächen, steht diesmal Jigsaws Krebserkrankung im Mittelpunkt. Ärztin Lynn Denlon (Bahar Soomekh) hat die Aufgabe, ihn am Leben zu erhalten. Falls nicht, droht ihr ein schrecklicher Tod. Keine Helden, nur Täter Und Teil vier? Hier wird das Spielfeld des Killers auf die ganze Stadt ausgeweitet. Auch nach dem Ableben von Jigsaw alias John Kramer (Tobin Bell) und seiner Schülerin Amanda (Shawnee Smith) in Teil drei, gehen die Spiele weiter. Wer ist in die Fußstapfen des Killers getreten? – Polizist Rigg (Lyrig Bent) bleiben 90 Minuten, um zu verhindern, dass einer seiner Kollegen durch Jigsaws Fallen ums Leben kommt. Doch der Weg dorthin ist lang und blutig. Rigg muss eine Reihe von brutalen Tests durchlaufen, und ob am Ende der Martyrien wirklich das ‘Preisgeld’ auf ihn wartet, bleibt bei Jigsaws Durchtriebenheit fraglich. Jeder, der mit der Materie vertraut ist, weiß außerdem: Im SAW-Universum gibt es keine Helden. Es gibt nur Täter. Die vermeintlichen Opfer, die allesamt selbst keine weiße Weste haben, und ein grausamer Rächer, der nach seinen Moralvorstellungen richtet. Diese deprimierende Weltsicht durchdringt auch Teil vier. Dieser hebt sich von den anderen Teilen allerdings dadurch ab, dass in Rückblenden viel von John Kramers Vergangenheit erzählt wird. Diese Flashbacks, in denen gezeigt wird, wie Kramer seine Frau verlor, sollen begründen, wie er zu dem Monster wurde, das er auch nach seinem Tod noch ist. Auch wenn die Rückblenden Jigsaws Motivation nicht hinreichend verdeutlichen, so gehören diese Szenen dank des guten Schauspiels von Tobin Bell zu den Höhepunkten der ansonsten stagnierenden Reihe. ‘Stagnierend’ bedeutet in diesem Fall zum Glück aber auch, dass die gewohnte inszenatorische Qualität auch im vierten Teil gehalten wird. Die Regie von Darren Lynn Bousman ist überdurchschnittlich, das Drehbuch von Marcus Dunstan und Patrick Melton liefert die gewohnten Twists, so dass Nervenkitzel weiterhin garantiert ist. Und am Ende steht wie immer eine Überraschung… Zerfetzte Körper, abgezogene Kopfhaut – alles dabei! Und wie geht es weiter? Die SAW-Reihe ist auf jeden Fall auch nach dem vierten Teil nicht vorbei. Teil fünf und sechs sind bereits für 2008 bzw. 2009 angekündigt. Damit setzt die Serie ihren Siegeszug fort. Im Hinblick auf die letzten drei Teile ist es eher fraglich, ob die SAW-Reihe noch einmal die Kurve bekommt und sich durch Innovationen und nicht durch Tabubrüche das Spielfeld zurückerobert. Ein sympathischer Zug wäre die Rückkehr zu den Tugenden des ersten Teils allemal, aber ob es auch ein gewinnbringender wäre, steht auf einem anderen Blatt. Mittlerweile steht SAW, egal welcher Teil, für überbordende Gewalt und den mehr oder weniger überraschenden Schlusstwist. In dieser Hinsicht macht der Reihe so leicht keiner etwas vor. Björn Helbig |
