Der Atlas der besonderen Kinder

Der Atlas der besonderen Kinder

Sobald Kinder Anzeichen von einzigartigen Fähigkeiten entwickeln, werden sie idealerweise vor den „Normalen“ in Zeitschleifen versteckt. Dort wird ihnen von Erzieherinnen, die sich in Vögel verwandeln und die Zeit manipulieren können – sogenannte Ymbrynen – ein sicherer, harmonischer Ort geboten, wo sie sich in aller Sicherheit mit ihren Fähigkeiten auseinandersetzen können.

Die zweite Trilogie, die DER ATLAS DER BESONDEREN KINDER eröffnet, spielt in den USA. Dorthin, in die Heimat Jacobs, schickt Miss Peregrine ihre Kinder, um Normalitätsunterricht von eben diesem zu erhalten. Atemlos hüpft der Roman von Eltern, die ihre Kinder verstoßen, über Momente gesellschaftlicher Ausgrenzung bis hin zu Schiffbruch erleidenden Beziehungen. Von familiären über gesellschaftliche Probleme (Rassentrennung) bis hin zum Existentiellen reicht die Spannweite. Da Riggs seinem Ich-Erzähler aber eine naive, unverfängliche Stimme verleiht, die mit Scheuklappen voran jagt, ist DER ATLAS DER BESONDEREN KINDER mit einem lockerleichten Ton ausgestattet. Die Bitterkeit, die darin einwebt wird, ist hauchzart, aber allgegenwärtig.

Jacob macht sich mit einem Freund seines Großvaters auf, dessen Arbeit als Retter von besonderen Kindern in den USA zu übernehmen und die Geheimnisse der Vergangenheit aufzulösen. Da wo Europa durch die Macht der Ymbrynen geregelt wird und nur in den dunklen Ecken Aufstand zu spüren ist, da bietet der „Roadmovie“ durch die USA eine Odyssee mit Sirenen, Geheimbünden, Räubern, Warlords und Enklaven von Verlorenen, die in einer fast postapokalyptischen Welt kaum mehr als durchhalten.

Zentral sind wieder die Bilder, die Ransom Riggs leidenschaftlich sammelt und die im Grunde die Landkarte der Erzählung bilden. Vergilbte Schnappschüsse von Verkleideten, von Rückenansichten in dunklem Ambiente oder von bizarrer, bunter Unbedarftheit bilden die Eckpfeiler, an denen sich alles entlanghangelt. Es sind Veranschaulichungen einer beklemmenden Verlorenheit, die in allem sitzt – auch in uns, den Lesern.

ROBERT WAGNER

Titel: DER ATLAS DER BESONDEREN KINDER

Autor: Ransom Riggs

Verlag: Knaur

Seitenzahl: 512

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