Grandville: Supreme

Grandville: Supreme

Sherlock Holmes meets „Der Wind in den Weiden“ meets Hardboiled-Steampunk-Optik – mit dieser verkürzten Formel ließe sich vielleicht in etwa das Erlebnis beschreiben, einen Comic der Reihe GRANDVILLE von Bryan Talbot zu lesen. Talbot, der mit seiner Arbeit u. a. für den Hugo Award nominiert wurde, begann seine Comic-Karriere in der Underground-Szene der 1960er und wirkte später an US-Serien wie „Hellblazer“ und „Sandman“ mit.

Mit der nun fünfteiligen GRANDVILLE-Reihe hat er aber ein ganz eigenes Universum geschaffen: eine Welt anthropomorpher Tiere mit einer spezifischen Geschichte, die bis zu den Napoleonischen Kriegen um 1800 zurückgeht. Talbot ist ein echter Meister im Worldbuilding, mit unzähligen Anspielungen auf die Comic- und Popkultur, aber eben auch einem packenden Crime-Setting – inklusive Bandenkriminalität, Bordellen und einer gewissen Baker Street in London.

Nun also liegt mit satten 160 farbigen Seiten ein imposanter, actionreicher Abschlussband der fünfteiligen Reihe auf Deutsch vor. Damit ist dieser Teil deutlich länger als seine vier Vorgänger – und bietet tatsächlich genug interessantes Material für mehrere weitere Bände. Es ist daher schade, dass solch vielversprechende Fäden aller Voraussicht nach nicht mehr weitergesponnen werden. Unser Held, der breitschultrige Dachs Detective Inspector Archibald LeBrock, der inzwischen mit einer hübschen Dächsin verlobt ist, muss sich natürlich wieder mit Gangstern und inkompetenten Scotland-Yard-Kollegen herumschlagen. Für ungleich mehr Ärger sorgt aber der neue Oberschurke Tiberius Koenig (nomen est omen – ein T-Rex!), der selbst die alteingesessenen Verbrecherbanden das Fürchten lehrt. Zudem taucht ein italienischer Dachs auf, der ein noch breiteres Kreuz und noch derbere Fäuste hat als LeBrock.

Die Action kommt in „Grandville 5: Supreme“ mal wieder nicht zu kurz – schon die eröffnende Schießerei im Restaurant Meeresfrüchte wäre eines Tarantino-Films würdig! Der gebürtige Engländer Talbot verneigt sich hier aber auch ganz deutlich vor Arthur Conan Doyle: Auf farblich abgehobenen Seiten erleben wir Rückblenden auf LeBrocks Ausbildung, die klare Verweise auf Sherlock Holmes enthalten – samt Hut, Pfeife und der berühmten unerreichten Beobachtungsgabe. Man ahnt, wie fantastisch ein eigener Prequel-Band über die Anfänge von LeBrocks Polizeiarbeit hätte werden können, wenn Bryan Talbot seinen GRANDVILLE-Kosmos weiterspinnen wollte. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

FRANK KALTOFEN

Titel: GRANDVILLE „Supreme“ (Band 5)

Autor/Zeichnungen: Bryan Talbot

Verlag: Schreiber & Leser

Erscheinungsform, Seitenzahl: Hardcover, 168 Seiten

Verkaufsstart: veröffentlicht

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