Imagia - Der Schlüssel

Imagia - Der schlüssel

Herrscherin oder Helferin?

Mal wieder der Auftakt zu einer epischen Fantasy-Trilogie: IMAGIA – DER SCHLÜSSEL (Band 1) von Stefania Amalia Markert sprüht vor Ideen des fantastischen „Worldbuilding“ und überzeugt mit einer spannenden Story und einer originellen Heldin mit Helfersyndrom, enttäuscht aber sprachlich.

 

Nach einigen lyrischen Arbeiten besuchte Stefania Amalia Markert in der Schule eine Literatur-AG, in der sie begann, erste epische Texte zu verfassen. Schon damals, im zarten Alter von 17 Jahren, hatte die junge Frau aus dem Erzgebirge die Ideen für das vorliegende Buch IMAGIA - DER SCHLÜSSEL (Band 1). Das Romandebüt ist zugleich der Auftakt einer Trilogie und handelt von Amanda Lennon, die herausbekommt, dass ihr verstorbener Großvater Arboron auf Kosten einer Verschiebung der Zeit den zweiten Schattenkrieg beendet hat. Nun ist es an ihr, Verantwortung zu übernehmen und endgültig Frieden zu schaffen in der Welt von Imagia. Und dann geht die Odyssee in ein Reich voller Magie, Zauberei, Ritter und Drachen mit (zunächst) unerfüllter Liebesgeschichte und erfundenen Sprachen in einer soliden Tolkien-light-Version auch schon los.

IMAGIA – DER SCHLÜSSEL (Band 1) prescht in der Story auf den ersten Seiten schnell voran: Arboron kann nach einer Schlacht in Imagia durch einen Bergwerktunnel in unsere Welt entkommen und seine Identität wird nie hinterfragt. Amandas Eltern haben sie verstoßen und ihr den Kontakt zu ihren Brüdern untersagt. Warum und wieso? Das wird von Markert ebenso wie weitere unmotivierte Storyelemente nicht ausgeführt, stört aber geneigte Fantasy-Leser wenig, die hier stimmungsvoll, detailreich und vor allem im Galopp (erfrischend: das Buch hat nur 360 Seiten!) in eine fantastische Welt eingeführt werden. Dass Markert Pflegerin Amanda aus ihren eigenen Erfahrungen im Pflegedienst speist und einen Gewissenskonflikt zwischen herrschen und helfen eröffnet, ist ein cleverer Schachzug, welcher der Hauptfigur Lebendigkeit verleiht.

Der große Schwachpunkt der Autorin ist jedoch ihre hölzerne Sprache. So stoßen etwa einige gestelzte Formulierungen negativ auf. „Am Nachmittag fand sie die Muße, sich musikalisch zu betätigen“, heißt es auf Seite 42 – so würden sich wohl am ehesten noch verklemmte Aristokraten des 19. Jahrhunderts ausdrücken. Auch Markerts blumige Sprachbilder funktionieren leider nicht immer. So liest sich auf Seite 358 schön gedacht, aber eher arg bemüht: „(…) dieser ersehnte Moment zerfiel in Scherben. Sie schnitt sich daran, aber war sich sicher, dass sich diese Wunden wieder verschließen würden, irgendwie.“

Das sind jedoch sprachliche Unzulänglichkeiten, die ebenso wie die bemühte Situierung im englischsprachigen Raum für ein Erstlingswerk in Ordnung gehen. Leider regen sich Zweifel, dass seitens des Verlags überhaupt ein ernsthaftes Lektorat stattgefunden hat. Dabei hätten nämlich zahlreiche Leerzeichen-Fehler ebenso auffallen müssen wie folgende krude Füllwort- und Schreibfehlerorgie: „Beide verfielen in ein Schweigen, docheigentlich (sic!) wollten sie sich aber so viele Worte sagen.“ (Seite 356). Und warum Markerts Widmung an ihren verstorbenen Großvater Peter auf den ersten Seiten in Auszügen dekontextualisiert anstatt einer lobenden Pressestimme auch in den Klappentext gepackt wurde, bleibt ein ungelöstes Mysterium.

LUTZ GRANERT

Titel: IMAGIA – DER SCHLÜSSEL (Band 1)
Autorin: Stefanie Amalia Markert
Verlag: Deutsche Literaturgesellschaft
Seiten: 360