Samstag, 15 Oktober 2016 10:17

Comic Con 2016 Berlin

Das Warten hat ein Ende - Vorschau auf die German Comic Con 2016 in Berlin

Wem das Comic-Aufgebot bei der Leipziger Buchmesse nicht genug war und wer immer neidisch auf die Amerikaner und ihre Comic Con in San Diego geschaut hat, der kann sich jetzt freuen. Denn nach einem bereits gelungenen Auftakt Ende letzten Jahres in Dortmund findet am 15. und 16. Oktober die Premiere der GERMAN COMIC CON in Berlin statt.

Mit einem großen Aufgebot an Filmstars und Zeichnern großer Franchises wie „Zurück in die Zukunft“, „Doctor Who“, „Star Wars“ und vielem mehr bietet dieses Event allen Fans der Popkultur in Deutschland ein einmaliges Erlebnis. Am Samstag, den 15. Oktober, um 10 Uhr - beziehungsweise 9 Uhr für die Leute mit einem Early-Bird-Ticket - öffnet die GERMAN COMIC CON am Messedamm in Berlin ihre Türen. Abgesehen von den einzelnen Tagestickets und dem Wochenendticket gibt es auch verschiedene VIP-Tickets, die Fotos, Autogramme und Goodies der Con enthalten. Diese kosten ansonsten nämlich extra, was bei dem zu erwartenden Andrang und dem nicht allzu hohen Eintrittspreis mit 20 Euro für einen Tag oder 35 Euro für das Wochenende aber nicht verwunderlich ist. Zudem soll es auch tolle Fotokulissen wie den DeLorean aus „Zurück in die Zukunft“, die Tardis aus „Doctor Who“ und K.I.T.T. aus „Knight Rider“ geben.

Das Programm der Convention ist bunt gemischt, besonders hervorzuheben ist dabei wohl die Fragerunde mit den eingeladenen Stars. Diese findet auf einer Bühne statt, sodass jeder die Chance hat, daran teilzunehmen und seine persönliche Frage an die Gäste zu richten. Unter diesen befinden sich unter anderem Christopher Lloyd (Doc Brown in „Zurück in die Zukunft“), Sylvester McCoy (der siebte Doktor aus „Doctor Who“ und Zauberer Radagast in „Der Hobbit“), Freddy-Krueger-Darsteller Robert Englund, Natalia Tena (Nymphadora Tonks aus „Harry Potter“ und Osha in „Game Of Thrones“) und viele andere. Man kann aber auch selbst beim Cosplay-Wettbewerb im Rampenlicht stehen, und wem das nicht liegt, der kann stattdessen beispielsweise an einem Workshop teilnehmen.

In der Artists Alley bekommen die Besucher die Chance, verschiedenen Zeichnern aus aller Welt bei der Arbeit über die Schulter schauen. Anschließend kann man sich in der Shopping Area mit Merchandise eindecken oder in der Comic World einen Blick auf das Programm der deutschen Comic-Verlage werfen und Neuerscheinungen begutachten. Wer danach mal eine kurze Verschnaufpause braucht, der kann sich auch in die Leseecken zurückziehen, um danach wieder genug Kraft zu haben, den Action-Parcour zu bezwingen.

Wem das alles noch nicht genug ist, der kann auch schon einen Tag früher, am Freitag, den 14. Oktober, am exklusiven James-Marsters-Konzert teilnehmen. Der Star aus „Buffy - Im Bann der Dämonen“ und „Torchwood“ steht nämlich nicht nur als Schauspieler während der Con auf der Bühne, sondern auch als Musiker. Das Konzert ist zwar nicht im normalen Tages- oder Wochenendticket der Convention enthalten, die Karten dafür werden aber ausschließlich an Besucher der GERMAN COMIC CON verkauft.

Übrigens: Wer nicht in der Nähe der Hauptstadt wohnt oder an dem Wochenende verhindert ist, der bekommt Anfang Dezember wieder in Dortmund und im April nächsten Jahres erstmalig in Frankfurt die Chance, an der GERMAN COMIC CON teilzunehmen.

Lasse Hilse und Rebecca Muhl

INTERVIEW MIT MARKUS BORCHERT, DEM ORGANISATOR DER GERMAN COMIC CON

Auch wenn es keine eigene Comic Convention ist, gibt es in Deutschland bereits die Leipziger Buchmesse mit einem großen Comic- und Manga-Bereich. Was

unterscheidet die GERMAN COMIC CON davon, und warum wollten Sie eine Convention allein für Comics, Manga und Popkultur auf die Beine stellen?

Die GERMAN COMIC CON ist eine klassische Convention nach amerikanischem

Vorbild. Das heißt neben dem Comic- und Manga-Bereich, der natürlich essentiell wichtig für uns ist, bedienen wir auch andere Entertainment-Sparten und schaffen

eine Rundum-Erlebniswelt für den Besucher. Menschen, die auf unsere Events kommen, möchten vom Alltag abschalten und unterhalten werden. Im Bereich Comic/Manga bieten wir dem Besucher die neuesten und teilweise auch limitierte und exklusive Produkte unterschiedlicher Verlage, namhafte Zeichnergrößen, die live auf dem Event zeichnen und in Panels ganz nahbar sind. Neben den „Profi-Zeichnern“ haben wir eine riesige Artists Alley mit knapp 100 Indie-Zeichnern - junge Newcomer- Talente, die ihre Werke und ihre Arbeit vorstellen. Zusätzlich haben wir unseren zweitgrößten Bereich, den Stargast-Bereich, in dem wir Hollywoodgrößen auf den Events präsentieren. Mit diesen Gästen kann man dann z.B. ein gemeinsames Foto machen oder sich sein ganz persönliches Autogramm

von seinem Liebling holen. Auch die ganz Großen sitzen in den Panels und beantworten alle Fragen der Fans. So ein Erlebnis ist nicht alltäglich und etwas ganz

Besonderes. Zusätzlich haben wir viele unterschiedliche Aussteller, ob nun Merchandise-Händler, exklusive Handarbeitsprodukte, Cosplay-Equipment oder Publisher mit ihren neuesten Produkten, die sie auf dem Event vorstellen. Es

gibt Workshops und fantastische Fotokulissen, mit denen man sich fotografieren lassen kann. Man trifft Unmengen von Cosplayern und hat an jeder Ecke etwas zum

Neuentdecken!

Wie haben Sie die Auswahl der Gäste bei der riesigen Menge an Franchises getroffen?

Natürlich sind besonders die Wünsche der Besucher und Gäste wichtig für uns. Hier bekommt man über die Social-Media-Kanäle einen ganz guten Eindruck. Klar gibt es dann auch die ganz aktuellen Trends und Themen wie „Game Of Thrones“ oder „Walking Dead“. Selbstverständlich auch All-Time-Favorites wie „Star Wars“.

Aber auch Klassiker sind immer einen Gast wert, die bei vielen unserer Besucher Kindheitserinnerungen wecken, wie z.B. ein Christopher Lloyd aus „Zurück in

die Zukunft“! Und klar: Das Comic-Genre sollte auch abgedeckt sein. Da haben wir in Dortmund z.B. Ron Perlman alias Hellboy – besser kann man das Thema nicht treffen!

War es schwer, eine Zusage zu bekommen? Und wie war die Reaktion der Gäste, zu einer Comic Con in Deutschland eingeladen zu werden?

Man benötigt auf jeden Fall die richtigen Kontakte und Ansprechpartner, um überhaupt erst mal an die Gäste ranzukommen. Man muss die unterschiedlichen Gäste anfragen und natürlich auch das nötige Kleingeld auf den Tisch legen - denn einfach so, weil sie Lust haben, kommen die natürlich nicht zu so einem Event. Das

sind knallharte Verhandlungen. Die Gäste freuen sich tierisch, nach Deutschland zu kommen, hier war die Con-Landschaft ja viele Jahre völlig unterversorgt, und

viele unserer Gäste waren noch nie oder zumindest schon sehr lange nicht mehr in Deutschland. Sie freuen sich auf ihre Fans und die Events. Das Schwierigste ist

tatsächlich eher die Abstimmung bezüglich der Drehtermine. Denn viele unserer Wunschgäste stecken in aktuellen Projekten.

Was erwarten Sie von der GERMAN COMIC CON in Berlin, bzw. was ist

Ihr Wunsch für die Veranstaltung?

Wir erwarten ein buntes, fröhliches und spaßiges Zusammenkommen von Nerds, Familien, Cosplayern und neugierigen Besuchern. Ein flamboyantes Fan-Fest.

Montag, 05 September 2016 14:37

The Burning Curse

Unstillbarer Rachedurst im Jahrhundertsturm

Ein gewaltiger Sturm, eine abgelegene Insel und eine mysteriöse Kreatur, die den Bewohnern nach dem Leben giert: Das sind die vielleicht nicht originellen, aber sehr effektvollen Ingredienzien des Horrorthrillers THE BURNING CURSE, den EuroVideo pünktlich zu den kürzer werdenden Tagen auf DVD, Blu-ray und VoD veröffentlicht.

Um das Brauchtum von Halloween, dem Abend vor dem Kirchenfeiertag Allerheiligen, ranken sich sehr viele, oftmals auch düstere Geschichten. So haben auch Filmemacher im Horrorgenre schnell diesen sagenumwobenen Feiertag für sich entdeckt, an dem seither nicht nur Serienkiller wie Michael Myers ihr Unwesen treiben.

Was wäre nun, wenn eine überdimensionierte, von Geistern beseelte Kreatur aus dem Unterholz die Bewohner einer kleinen Insel heimsuchen würde? Der packende Monster-Teenie-Horror THE BURNING CURSE gibt darauf die Antwort, verwebt clever bekannte Motive rund um das mythenbehaftete keltische Fest und verknüpft dies mit einem spannenden Horror-Szenario, das dank düsterer und bedrohlicher Atmosphäre schnell in seinen Bann zieht.

Die drei abgebrannten Schwestern Sarah (Stephanie Hunt), Marley (Sarah Dugdale) und die unter Visionen und Alpträumen leidende Emma (Alisha Newton) wollen zu Halloween ihre Tante Cora auf der Insel Shelter Island besuchen, um sie um finanzielle Unterstützung zu bitten. Trotz zahlreicher Warnungen, dass ein riesiger Sturm heraufzieht, der es für mehrere Tage unmöglich machen wird, die Insel wieder zu verlassen, setzen sie mit der Fähre über. Kaum angekommen, bietet sich ihnen ein Bild des Grauens: Sie finden ihre Tante blutüberströmt und entdecken zahlreiche übel zugerichtete Leichen in einem kleinen Ort. Seth (Richard Harmon), der ebenfalls gerade erst für Recherchen seiner Web-Serie über angebliche Spuk-Orte auf die Insel gekommen ist, hat dafür eine Erklärung: An Halloween 1915 wurden im Wald auf der Insel drei Hexen verbrannt, die im Todeskampf einen Sturm und eine Kreatur herbeiriefen, die alle 100 Jahre bis zum Sonnenaufgang an Allerheiligen alle Menschen auf der Insel töten solle. Aus der vermeintlichen Legende ist Wirklichkeit geworden – und eine kleine Gruppe aus Dorfbewohnern und Besuchern kämpft nun ums Überleben gegen eine Kreatur, die nicht getötet werden kann…

THE BURNING CURSE ist ein effektreicher Schocker mit hohem Tempo, was unter anderem auch an dem sehr patenten Regisseur Sheldon Wilson liegt. Erprobt im Horror-Genre mit „Shark Killer“ (2015) oder „Scarecrow – Das Grauen stirbt nie“ (2013) gelingt es ihm, aus dem relativ kleinen Budget von zwei Millionen US-Dollar eine ganze Menge herauszuholen. Die CGI-Effekte rund um die mysteriöse Kreatur aus Feuer, Knochen und Erde, die Ähnlichkeiten mit einer riesigen Kürbislaterne auf zwei Beinen aufweist und den Bewohnern von Shelter Island nach dem Leben giert, sind gelungen und denen von Big-Budget-Produktionen ebenbürtig. Dabei beweist der Horrorthriller seine größte Stärke neben dem Finale in einem unterirdischen, beklemmend düsteren Kraftwerk bei seinen suggestiven Kamerafahrten in unterkühlten Bildern durchs Unterholz: Hat sich da nicht eben etwas bewegt?

Zugegeben: Ganz ohne Genre-Klischees und Logiklöcher kommt der Monsterhorror THE BURNING CURSE nicht aus. Doch dafür ist der Film mit viel Sinn für Atmosphäre und Spannung flott erzählt und hat insbesondere mit den Serien-Schauspielern Jonathan Whitesell und Richard Harmon (beide bekannt „The 100“) und „Silent Hill“-Star Deborah Kara Unger in einer Nebenrolle als Tante Cora ein paar bekannte Gesichter zu bieten. Harmon erinnert als schmieriger Sidekick und auch optisch an Udo Kier – und er empfiehlt sich für weitere düstere Rollen. Eine gute Einstimmung auf das keltische Fest ist also mit THE BURNING CURSE durchaus gegeben.

LUTZ GRANERT

Titel: THE BURNING CURSE (THE HOLLOW)
Label: EuroVideo
Land/Jahr: USA 2015
FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 85 Min.
Verkaufsstart: 8. September

Montag, 05 September 2016 14:35

Gods Of Egypt

Rasante Action in spektakulärer Kulisse

Altes Ägypten, neu inszeniert. Wenn „The Crow“-Regisseur Alex Proyas Götter gegeneinander kämpfen lässt, veranstaltet er ordentlich Rambazamba, bei dem kein Stein auf dem anderen bleibt. Nun bringt Concorde die spektakulären GODS OF EGYPT ins heimische Wohnzimmer.

Am Tag seiner Krönung vom Thron gestoßen und seiner Augen beraubt – vom eigenen Onkel, Gott Set (Gerard Butler). Das ist Horus (Nikolaj Coster-Waldau) passiert, ebenfalls Gott, der nun zurückgezogen lebt, um sich in Selbstmitleid zu suhlen. Zumindest bis zu dem Tag, an dem der freche Dieb Bek (Brenton Thwaites) in sein Leben tritt und ihn um Hilfe bittet. Das ägyptische Volk leidet nämlich unter Sets Schreckensherrschaft, und nun hängt wegen des machthungrigen Tyrannen auch noch das Leben der hübschen Zaya (Courtney Eaton), Beks großer Liebe, am seidenen Faden. Um sie zu retten, geht Bek mit Horus einen Deal ein. Jedoch ahnt er dabei nicht, dass der Gott mehr von dem Handel hat als er selbst. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, müssen die beiden Gefährten immer wieder darauf achten, nicht von Set oder dessen Schergen umgebracht zu werden, denn dessen Amtszeit muss schleunigst ein Ende finden.

Das alte Ägypten bietet mit seinen Göttern sicherlich genug Stoff, um einem Film, der von diesem Ort erzählt, eine mystische Atmosphäre zu verleihen. Alex Proyas jedoch, der auch schon bei „I, Robot“ Regie führte, nimmt einen anderen Weg. Er nutzt den Götterkult und dessen Geschichten eher als Orientierungspunkte, um die herum er die Ereignisse von GODS OF EGYPT aufbaut. Wo manch anderer also tief in die Materie eingetaucht wäre und sich von ihr abhängig gemacht hätte, erfindet Proyas sie neu und inszeniert so ein rauschendes Fantasy-Spektakel mit ganz eigenem Flair. Da ist es ganz passend, dass er sich Schauspieler wie Nikolaj Coster-Waldau („Game Of Thrones“), Gerard Butler („Die Legende von Beowulf“) und Geoffrey Rush („Fluch der Karibik“), die in diesem Genre Erfahrung haben, ins Boot geholt hat.

Aber der Film punktet nicht nur durch seine Besetzung. Vor allem Actionfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten. Die Vorgeschichte ist kurz, und der Einstieg in die Geschichte erfolgt schnell. Das ist auch nötig, denn bei all den Dingen, die passieren, darf keine Zeit für eine übertriebene Einleitung verschwendet werden. Nur selten vergehen fünf Minuten, ohne dass sich irgendjemand prügelt, die Protagonisten gejagt oder Gebäude(teile) mit reichlich Krach zerstört werden. In diesem Zusammenhang muss auch die Kameraführung erwähnt werden, die durch ihre Dynamik noch viel mehr Energie in die ohnehin schon flotten Szenen bringt. Und wem das noch nicht spritzig genug ist, der kann sich einfach an den Sprüchen des schlagfertigen Bek erfreuen. Der verliert selbst dann nicht seinen Humor, wenn er gerade gewürgt wird.

Wer nun denkt, GODS OF EGYPT werde nur von spannenden Kämpfen und Momenten zum Lachen getragen, (was sicher auch nichts Schlechtes wäre), der irrt sich. Denn last, but definitely not least erwarten den Zuschauer in diesem zwei Stunden langen Abenteuer jede Menge atemberaubender Bilder. Proyas entführt in endlose Wüsten, riesige Schatzkammern und zu monumentalen Bauwerken und reiht damit einen großartigen Schauplatz an den nächsten. Kulisse, Kostüme und sogar Kreaturen, die alles andere als menschlich sind – in allem was der Zuschauer sieht, zeigt sich viel Fantasie und Liebe zu Detail. Das ist aber nicht das Einzige, was die optische Gestaltung ausmacht. Wirklich besonders ist sie nämlich dadurch, dass sie teilweise sogar einen Hauch von Science-Fiction trägt und damit das alte Ägypten noch mal moderner wirken lässt. Sicher eines der Merkmale, die GODS OF EGYPT unverwechselbar macht, der auf DVD, Blu-ray und 3D-Blu-ray mit umfangreichem Bonusmaterial von Featurettes und Interviews bis zu animierten Storyboards ausgestattet ist. Wer in dieses Fantasy-Abenteuer eintaucht, der kann sich auf Kämpfe von starken Männern, fremdartige Fantasiegestalten und einen wahren Bilderrausch freuen. Sicher ist: In diesen zwei Stunden ist immer etwas los.

SOPHIE NECKERMANN

Titel: GODS OF EGYPT

Land/Jahr: USA/Australien 2016

Label: Concorde

FSK & Laufzeit: ab 12, ca. 128 Min. (+ ca. 88. Min. Bonusmaterial)

Verkaufsstart: 1. September

Montag, 05 September 2016 14:33

NARCOS

Ein Fausthieb gegen den Mainstream

Es ist wohl eine der meist polarisierenden Seriengeschichten, die jemals das Licht der Welt erblickt haben, und dennoch war die Begeisterung groß, als Netflix mit der Serie NARCOS, die Polyband nun auf DVD und Blu-ray veröffentlicht, das Leben des kolumbianischen Paten Pablo Escobar ins Programm stellte.

Ist es legitim, einen Sympathieträger zu etablieren, der so viel Blut an seinen Händen kleben hat? Diese Frage kann NARCOS in seiner ersten Staffel nicht wirklich beantworten. Fakt ist allerdings, dass die Mischung aus Drama-Event und Dokumentation allemal gut recherchiert und folgerichtig auch immer auf Augenhöhe mit dem vielleicht gefährlichsten und größten Drogenbaron der gesamten Weltgeschichte ist. Die Handlung nimmt sich dementsprechend auch viel Zeit, um den rasanten Aufstieg des südamerikanischen Kriminellen von der ersten Sekunde an zu beleuchten und das ungehobelte Bild des späteren Massenmörders und Kartellbosses in all seinen Facetten darzustellen.

Zunächst als Schmuggler aktiv, knüpft Escobar schnell die wichtigsten Kontakte und gehört schon zu Beginn der 80er zu den elementaren Figuren im Kokainhandel weltweit. Seine Hand reicht nicht nur nach Amerika, wenngleich er sein Imperium vor allem auf den Dollars aus dem verfeindeten Norden gründet, sondern greift rund um den Globus nach all denjenigen Geschäftsleuten, die keine Probleme damit haben, dass Don Pablo all jene um die Ecke bringt, die seine Mission im Namen der seinerseits legitimierten Kriminalität verachten oder gar gefährden. Doch die DEA gibt nicht auf, Escobar endgültig dingfest zu machen und entsendet mit den beiden Agents Steve Murphy und Javier Peña die fähigsten Männer, um dem berüchtigten Medellín-Kartell ein für allemal das Handwerk zu legen. Doch auch die Kommissare der Drogenfahndungsbehörde müssen schnell feststellen, dass es schier unmöglich ist, dem als Popstar gefeierten Escobar den Geldhahn zuzudrehen.
In der ersten Staffel der zwiespältig aufgenommenen, am Ende aber doch mit Ruhm überschütteten Netflix-Produktion demonstriert Regisseur Andreas Baiz bereits seine weitreichende Leidenschaft für die abstrakte Welt der Korruption und der damit verbundenen, allzu verachtenden Spirale der Gewalt. In fast schon ironisch aufgearbeiteten Szenen hinterfragt er den Werdegang Escobars, schildert ihn aber dennoch detailgetreu und schafft es letztendlich sogar tatsächlich, eine gewisse Faszination für den Paten aufzubauen. Man lernt die Hauptfigur einerseits als skrupellosen Machtmenschen kennen, der in seinem monströsen Milliardengeschäft fast täglich über Leichen geht. Und dann entdeckt man auf der anderen Seite die karitative Ader des Protagonisten, der sein Geld mit den armen Schichten der kolumbianischen Bevölkerung teilt und sich somit auch deren bedingungslosen Support ergattert. Es sind bizarre Bilder, die Baiz zeichnet, ohne dabei die unglaubliche inhaltliche Härte in irgendeiner Form zu überspielen. Die Serie reflektiert die politisch motivierten Morde, die Escobars Position behauptet und geschärft haben; sie spiegelt anhand von unzüchtigen Szenen wider, wie es ihm gelungen ist, das Volk zu manipulieren und für seine Zwecke zu nutzen. Und sie zeigt zu guter Letzt auch, welchen Preis viele Menschen zahlen mussten, die auch nur ein einziges Mal den klitzekleinen Fehler begangen haben, ihren Boss zu hintergehen.
Sicherlich ist es eine totale moralische Verfremdung, die das Projekt vorantreibt, vergleichbar vielleicht mit den vielen krummen Deals, die man in prestigereichen Reihen wie „Sons Of Anarchy“ miterleben durfte. Doch NARCOS ist die Wirklichkeit, ein Jahrzehnte währendes Produkt der Realität, das eben gerade deshalb so viel Strahlkraft generiert, weil die vielen erschreckenden Szenarien eine authentische Replik der Ereignisse Mitte der 80er sind.

Und genau das bringt einen wieder auf die eingangs aufgeworfene Frage nach der Daseinsberechtigung von Serienprojekten wie NARCOS zurück. Wie kann man es eigentlich dulden, einem der größten Verbrecher aller Zeiten genügend Sympathien zu gestatten und am Ende sogar mit seiner verstörenden Vision mitzufiebern? Warum sind es gerade solche Produktionen, die mit ihrem abschreckenden Eventbericht eine Art krankhafte Begeisterung auslösen, obschon man sich moralisch genau gegenteilig verpflichtet sieht? Nun, die Antwort liegt irgendwann auf der Hand: Weil der Mensch begreifen und verstehen möchte, weil es ihm ein Anliegen ist, auch die schmutzigsten Gedanken und deren Umsetzung in irgendeiner Form nachvollziehen zu können – und weil er seine eigene Perspektive erst dann als gerechtfertigt akzeptiert, wenn er die vielen kleinen Ansatzpunkte zu seinem persönlichen schlüssigen Puzzle zusammensetzen kann.

All das gewährt NARCOS in den ersten zehn Kapiteln bedingungs- und auch schonungslos, sowohl im Hinblick auf die geradezu perfekten Charakterzeichnungen als auch hinsichtlich der authentisch nachgezeichneten Settings, die eben nicht bloß in irgendeinem modernen Studio aufgezeichnet wurden. Diese Serie ist ganz nah dran, sie fühlt das Verbrechen, sie stößt dessen giftige Dämpfe aus, aber sie vergisst in den entscheidenden Augenblicken auch nicht, die ausbleibende Rechtschaffenheit in den Fokus zu rücken, um moralisch nicht vollends zu entgleisen. Zwischen „Boardwalk Empire“, „Gomorrah“ und „Die Sopranos“ hat man schon zahlreiche Hintermänner des organisierten Verbrechens aus nächster Nähe erleben dürfen. Doch in „Narcos“ darf man sie sogar anfassen und ganz tief in sie eindringen – ein vermeintlich kleiner, aber doch so wichtiger Unterschied!

BJÖRN BACKES

Titel: NARCOS – Staffel 1
Label: Polyband
Land/Herstellungsjahr: USA 2015
FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 500 Min.
Verkaufsstart: 1. September

Donnerstag, 25 August 2016 16:24

REVENGE – Die komplette vierte Staffel

Alles hat einmal ein Ende

Nach vier spannenden Jahren nimmt ein minutiös geplanter Racheakt in Serienform namens REVENGE nun auch im Heimkino leider sein Ende – und kann ganz zum Schluss noch mal richtig auftrumpfen.

Die vierte und letzte Season von REVENGE setzt sechs Monate nach den Geschehnissen der dritten Season ein. Seit drei Jahre treibt Emily Thorne alias Amanda Clarke in den Hamptons ihr Unwesen, nachdem sie es sich zur Mission gemacht hatte, jeden untergehen zu lassen, der vor Jahren daran beteiligt gewesen war, ihren unschuldigen Vater David Clarke ins Gefängnis zu bringen. Bei den Graysons hat Emily ordentlich aufgeräumt und den Sturz der Familie in die Bedeutungslosigkeit geschafft. Sie selbst lebt jetzt auf Grayson Manor, Victoria wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, aus der sie um jeden Preis entkommen will, doch das ist nicht so einfach – zunächst jedenfalls nicht. Und David Clarke ist quicklebendig. Was im ersten Moment unmöglich erscheinen mag: Victoria gelingt die Flucht.

Schlimmer aber noch ist es für Emily, dass sie nicht schnell genug handeln kann und Victoria deutlich vor ihr David in die Finger bekommt. Natürlich will sie sich an Emily rächen, und das gelingt ihr sogar auf eine äußerst perfide Art und Weise, indem sie David mit Lügen füttert, die sich alle gegen Emily richten. Was sie dabei allerdings für sich behält, ist die Tatsache, dass Emily seine Tochter ist. Emily muss den beendet geglaubten Rachefeldzug doch noch einmal aufleben lassen, um Victoria ein für alle Mal auszuschalten – jetzt aber unter erschwerten Bedingungen, da sie aufpassen muss, dass ihr Vater ihr nicht dazwischenfunkt.

Und damit ist man in der Handlung auch schon an einem Punkt angelangt, an dem es schwierig wird, noch irgendetwas über die vierte Season zu schreiben, ohne gleich eine weitere Wendung zu verraten, von denen es in den Episoden nur so wimmelt. Ohne hier schon zu enthüllen, wie Emilys Rachefeldzug denn nun ausgeht, kann man den Machern attestieren, dass sie einen würdigen Abschluss für ihre Serie gefunden haben, der so gar nicht nach dem Motto "Wer zuletzt lacht, lacht am Besten" abläuft, sondern die Wendung nach der Wendung folgen lässt.

Nach nur vier Jahren geht eine Geschichte voller Intrigen zu Ende, die gerne noch sehr viel länger hätte laufen dürfen. Schade dass Fernsehsender so oft mit so wenig Weitblick agieren und nur auf die momentane Quote starren. Kurioserweise hat sogar der deutsche REVENGE-Haussender VOX das Interesse verloren und die letzte Season auf einen undankbaren, zwei Stunden späteren Sendetermin gelegt. Aber wenigstens kann man sich die DVDs ansehen, wann man will, und sich passend zum Thema an der Senderpolitik rächen.

RALPH SANDER

Titel: REVENGE – Die komplette vierte Staffel
Land/Jahr: USA 2015
Label: ABC STUDIOS
FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 900 Min.
Verkaufsstart: 18. August

Donnerstag, 25 August 2016 16:22

SCHWESTERN DER WAHRHEIT

Eintauchen in eine komplexe Welt voller Magie

Wenn die Welt aus Korruption, Intrige und Lüge besteht, wiegt die Herrschaft über die Wahrheit mehr als Gold und Diamanten zusammen. Kaum auszudenken, wozu bestimmte Mächte imstande wären, wenn sie Betrug von Wahrheit unterscheiden könnten. Mit SCHWESTERN DER WAHRHEIT hat Autorin Susan Dennard die Basis geschaffen für eine Reise, deren Ausmaße noch nicht zu fassen sind.

„Verbunden. Vereint. So kämpften die Mädchen. So lebten sie.“ Gemeint sind die Strangschwestern Safiya und Iseult. Zwei Hexen, die sich in Veneza, der Hauptstadt des Reiches Dalmotti, mehr schlecht als recht über Wasser halten. Ihr einziges Ziel: Freiheit und Unabhängigkeit. Doch ihr Traum gerät bald schon ins Wanken: Krieg liegt in der Luft, die Reiche, die sich nunmehr seit 19 Jahren in einem Waffenstillstand befinden, rüsten auf, und die bekannte Ordnung steht auf der Kippe. So passiert es, dass Safiya ins Zentrum des Geschehens rückt, denn sie hat eine Gabe, die für die Herrscher der drei Großreiche von enormem Interesse ist.

SCHWESTERN DER WAHRHEIT spielt in einem im wahrsten Sinne magischen Land. Magier ordnen und regieren die Welt. Sie sind Herrscher über die fünf Elemente und schalten und walten über Politik und somit auch internationale Beziehungen. Das Land selbst stand bis vor 19 Jahren aufgrund eines großen Krieges am Rande des Kollaps. Die drei Großreiche Dalmotti, Cartorra und Marstok lagen in einem schier endlosen Kampf um die fünf Ursprungsquellen der Magie: Aether, Erde, Wasser, Luft und Feuer. Quellen, die offenbar komplett versiegt sind. Die Quellen jedoch stehen für nichts anderes als Macht: Macht über die Elemente und somit auch Legitimation für eine uneingeschränkte Herrschaft. In einem 20-jährigen Waffenstillstand wurde erklärt, dass nunmehr Handelsbeziehungen und nicht Krieg die Grundlage für eine neue Regierung und somit friedvolle Zeiten schaffen solle. Doch nun liegt das Ende dieser Frist kurz bevor, und erneute Verhandlungen sollen über das Schicksal der Welt entscheiden.

Safiya und Iseult, Strangschwestern und nicht registrierte Magis (und somit Ketzer), werden unabsichtlich Teil der diplomatischen Vorgänge, als sie versuchen, einen Gildemeister zu überfallen, um sich ihre Unabhängigkeit und Freiheit zu erkaufen. Safiya von Hastrels ist eine Adelstochter und gleichzeitig eine Wahrmagis, wurde von ihrem Onkel Eron zeitlebens gedrillt und vorbereitet auf ihre spätere Rolle als Oberhaupt. Iseult det Midenzi hingegen ist eine Nomatsi-Strangmagis und eine Ausgestoßene. Während Safiya Wahrheit von Lüge unterscheiden kann und dies den wesentlichen Bestandteil ihrer Magie ausmachte, kann Iseult die Stränge sehen, die Menschen miteinander verbinden. Sie sieht, wie sich die Stränge der Menschen in das Gewebe der Welt einfügen; sie sieht die Wut, die Trauer, aber ebenso ihre Ängste und Freuden. Während ihres misslungenen Diebstahls wird jedoch ein weiterer, furchteinflößender Mönch auf sie aufmerksam, der Blutmagis Aeduan. Er ist in der Lage, andere Magis bis ans Ende der Welt zu verfolgen, sobald er einmal ihre Fährte aufgenommen hat.

Susan Dennard ist in Deutschland bis dato noch nicht in Erscheinung getreten. Insofern ist ihr Roman SCHWESTERN DER WAHRHEIT zumindest in diesen Breiten als ihr „Erstlingswerk“ zu bezeichnen. In den USA konnte die gebürtige Amerikanerin, die einen Master-Abschluss in Meeresbiologie besitzt und drei Jahren in Bayern lebte, bereits mit ihrer „Something Strange And Deadly“-Serie glänzen. Mit dem vorliegenden Roman hat sie sich inhaltlich von Zombies zu Hexen umorientiert.

Mit SCHWESTERN DER WAHRHEIT hat sich Susan Dennard ein wahres Großprojekt vorgenommen. So sagt Dennard auch in einem Special zum im August erscheinenden Auftaktroman der „Witchland“-Series, welches auf der Homepage des Penhalion-Verlages nachzulesen ist: „Die schwierigste Szene war für mich auf jeden Fall der Höhepunkt der Geschichte, an dem alle Erzählstränge zusammenkommen. Es war wirklich nicht einfach für mich zu überlegen, wie sich all das zu einem Ganzen fügt.“ Diese Probleme merkt man dem Roman selbst als Leser jedoch kaum an. Andererseits ist die Story ausgesprochen komplex und strotzt nur so vor Haupt- und Nebencharakteren. Neben den Protagonisten Safiya und Iseult, deren Story sich nur langsam entwirrt, rückt auch Windmagis Merik Nihar, Prinz von Nubrevna, ins Zentrum des Interesses. Besonders faszinierend ist auch Mönch und Blutmagis Aeduan, dessen Charakter sehr vielschichtig gezeichnet ist und der anders als in den meisten Romanen, nicht durchweg als böse stigmatisiert ist. Ein Umstand, der dem Werk selbst deutlich mehr Facetten verleiht und es inhaltlich auch glaubhafter macht.

Überhaupt ist SCHWESTERN DER WAHRHEIT kein Werk, welches von reinem Schwarzweißdenken durchzogen ist. Die meisten Handlungen und Entscheidungen der Protagonisten sind, zumindest inhaltlich als auch situationsbezogen, nachvollziehbar. Überhaupt liest sich der Roman recht flüssig, wenn auch die ersten knapp 150 Seiten nur so vor Informationen strotzen, denn immerhin ist das Universum, in welchem SCHWESTERN DER WAHRHEIT spielt, nicht gerade klein. Auch die verschiedenen Handlungsstränge verflicht Dennard mehr als geschickt. Insofern ist ihr mit SCHWESTERN DER WAHRHEIT ein wirklich rundum lesenswerter Auftaktroman gelungen, der Lust auf die in den Vereinigten Staaten für Januar angekündigte Fortsetzung „Windwitch“ macht.

ISABELL SCHLOTT


Produkt-Info:

Titel

SCHWESTERN DER WAHRHEIT

Autor

Susan Dennard

Seiten

507

Verlag

Penhaligon

Donnerstag, 25 August 2016 16:21

THE ARDENNES - OHNE JEDEN AUSWEG

Wo Schatten ist, braucht es kein Licht!

Was passiert, wenn zwei Brüder versuchen, ein normales Leben zu führen, aber ihre kriminelle Vergangenheit sie einfach nicht loslässt? Der stylische belgische Thriller THE ARDENNES – OHNE JEDEN AUSWEG gibt die Antwort.

Dave und Kenny verdienen ihren Lebensunterhalt mit illegalen Tätigkeiten. Als einer ihrer Raubzüge fehlschlägt, wird Kenny geschnappt. Er deckt seinen Bruder und geht für vier Jahre in den Knast. Nachdem er entlassen wird, steht er vor einem Scherbenhaufen. Seine große Liebe Silvie hat ihn während der Haft verlassen und ist auch nicht an einer Reaktivierung ihrer Beziehung interessiert. Nach außen hin akzeptiert Kenny diesen Fakt, aber in seinem Inneren brodelt es. Mit Argusaugen wacht er über Silvie und sucht nach eventuellen Nebenbuhlern. Mit Khalid, einem Kameraden aus Kindertagen und lokalem Gangsterboss scheint er fündig geworden zu sein.

Was Kenny nicht ahnt oder ahnen will, ist, dass es einen ganz anderen Mann in Silvies Leben gibt, nämlich seinen Bruder Dave. Die beiden sind seit Jahren zusammen, planen ein gemeinsames Leben und erwarten zu allem Überfluss ein Kind. Während jeder im Umfeld davon weiß, zögert Dave den Moment der fraglos bitteren und nicht unbedingt einfach zu vermittelnden Wahrheit immer weiter hinaus und provoziert damit das drohende Unheil regelrecht. Denn eines Nachts steht Kenny in der Tiefgarage und bitte Dave um Hilfe bei der Entsorgung einer Leiche im Kofferraum. Die Ardennen werden als der bestgeeignete Ort für die Beseitigung auserwählt, und in der Provinz  läuft das Ganze dann endgültig aus dem Ruder…

THE ARDENNES lässt sich viel Zeit und mutet zunächst einmal wie ein Sozialdrama an, Tageslicht ist relativ selten zu sehen, und entsprechend düster ist die Atmosphäre. Die Handlung spielt in verrauchten Räumen, auf verregneten Straßen und in kunstbenebelten Clubs, untermalt wird das Ganze von einem dunkelflächigen, unheilvollen Soundtrack. Der Zuschauer weiß mehr als Kenny, und er ahnt, dass die ganze Sache nicht gut gehen kann, dass Daves Geheimnis nicht im Verborgenen bleiben wird. Bis etwa zur Mitte des Films dürften die Sympathien auch eindeutig bei Kenny liegen, schließlich ist er derjenige, der in den Knast gewandert ist und somit keine Chance hatte, sein Leben auf die Reihe und in geordnete Bahnen zu kriegen, während sein Bruder ihm die Frau ausgespannt und ihn verraten hat. Gleichwohl ist die Zwickmühle, in der Dave sitzt, greifbar. Er liebt Silvie und will seinen Bruder nicht verletzen.

Mit der Fahrt in die Ardennen ändert sich dann schlagartig alles, und der bis dahin ruhige Film nimmt eine steile Wendung, denn in der Provinz ist es vorbei mit der Ruhe, und die Eskalationsstufe wird ordentlich angefeuert.       

THE ARDENNES ist das Regie-Debüt von Robin Pront, und man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass man von diesem Mann noch einige Filme sehen wird. Auf diversen internationalen Festivals wurde der Streifen bereits gefeiert und dürfte auch im Heimkino recht erfolgreich laufen, schließlich gelten belgische Filme nicht zu Unrecht als Kleinode der subversiven Unterhaltung, und da sortiert sich THE ARDENNES wunderbar ein. Den Zuschauer erwartet ein destruktiver und hoffnungsloser Höllenritt, der auch nach dem Abspann noch eine ganze Weile nachwirkt. Für sonnige und romantische Sommernachmittage ist das Werk eher ungeeignet, es empfiehlt sich, ihn erst nach Sonnenuntergang einzulegen. Dazu passt natürlich belgisches Bier, wie Stella Artois oder Jupiler, und davon am besten auch gleich mehrere Flaschen.

MIKIS WESENSBITTER

Titel: THE ARDENNES - OHNE JEDEN AUSWEG

Land/Jahr: Belgien 2014

FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 90 Min.

Verkaufsstart: 26. August

Die zahlreichen Trailer und das hervorragende Marketing lassen die Fans schon lange dem Kinostart von SUICIDE SQUAD entgegenfiebern. Wenig überraschend, dass sie wohl sehr enttäuscht sein werden, weil bei der Comicadaption kaum etwas stimmt.

Die antike Göttin „The Enchantress“ (Cara Delevigne) ist aus ihrem Gefängnis ausgebrochen und hat kein geringeres Ziel als die Zerstörung der Menschheit. Superman ist tot (siehe „Superman v Batman: Dawn of Justice“), also gibt es niemanden, der sie aufhalten kann. Oder vielleicht doch? Die ruchlose Agentin Amanda Waller hat ein Team aus den tödlichsten Bösewichten der Welt zusammengestellt. Dazu gehören unter anderem: Deadshot (Will Smith), Harley Quinn (Margot Robbi), Captain Boomerang (Jai Courtney) und Diablo (Jay Hernandez). Mit im Nacken verpflanzten, ferngesteuerten Bomben hat Waller die Kontrolle über ihr Außenseiterteam und beauftragt sie, die Welt zu retten. Nur ahnt sie nicht, dass ein ganz besonderer Bösewicht ihr Team manipulieren will: Der Joker (Jared Leto) wetzt im Dunkeln schon seine Messer…

Wer SUICIDE SQUAD gut finden will, ist hier an der falschen Stelle. Der Film ist nicht gut. Enttäuscht? Da kann ich euch verstehen. Auch ich wollte den Film gut finden. Ich wollte ihn lieben und lobende Worte, Sätze und Texte über ihn schreiben. Ich wollte ihn mir immer und immer wieder anschauen und mich freuen, wie toll er doch geworden ist. Diese geilen Trailer! Dieser geile Soundtrack! Diese geile Grundidee! Bösewichte als Helden!

Doch genau da liegt das Problem. Die Produzenten haben ihr Marketing etwas zu gut betrieben und die Erwartungen an diesen Film waren einfach viel zu hoch. Dass muss man ihm zugutehalten. Trotzdem ist es enttäuschend zu sehen, wieviele tolle Chancen verschenkt wurden. Die Figuren kommen kaum dazu, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Viele Charaktere hätte man rauslassen können, ohne dass das irgendeinen Einfluss auf die Geschichte gehabt hätte. Der Rhythmus der Szenen ist konfus, die Antagonisten ein Witz und nur die One-Liner von Harley Quinn bringen Würze in das Geschehen.

Letztendlich ist es so: Die Zutaten für einen großartigen Film sind da. Aber sie wurden nicht gut zusammengefügt. Wenn ich Kuchen mag, esse ich deswegen noch lange nicht Mehl, Zucker und Eier in einem Glas verrührt. So ist das auch bei diesem Film. Erst das Handwerk macht die Kunst. Und diese fehlt hier leider.

LEO MERKEL

SUICIDE SQUAD

Regie: David Ayer

Label: Warner Bros

Land/Herstellungjahr: USA/2016

FSK & Laufzeit: ab 16, ca. 130 Min.

Kinostart: 18. August

Montag, 22 August 2016 11:07

Bis(s) zum Ende der Menschheit

Zombies sind nach wie vor stark in Mode. Und Zombie-Vampire? In DAYLIGHT'S END zieht ein einsamer Kämpfer gegen Horden geifernder Untoter mit Sonnenallergie in die entscheidende Schlacht. EuroVideo veröffentlicht den mit Johnny Strong und Lance Henriksen prominent besetzten Endzeit-Horror nun auf DVD, Blu-ray und VoD.

Der tiefblaue Himmel eines sonnigen Tages erstrahlt über der verdorrten Landschaft. Der trockene Asphalt, der sich von irgendwo durchs Niemandsland windet, kocht in der sengenden Mittagshitze. Ein Auto taucht am Horizont auf. Ob diese Symbiose aus rostigem PS-Boliden und selbstverschweißten Drahtgitterfenstern jemals eine Fahrt zur örtlichen TÜV-Stelle überlebt hätte, ist stark zu bezweifeln. In dieser Welt aber scheint es für seinen Fahrer kein sichereres Refugium zu geben.

An einer verlassenen Tankstelle kommt der Wagen zum Stehen. Sein Insasse, vermummt und bewaffnet, steigt aus und untersucht vorsichtig die Umgebung. Im Inneren des menschenleeren Gebäudes erweckt eine vergammelte Kühltruhe seine Aufmerksamkeit. Als daraus ein lautstarkes Poltern zu hören ist, verschließt der Fremde sie reflexartig, kettet sie an seinen Wagen und zerrt sie unter quietschenden Reifen hinaus ins Freie. Mit einem gezielten Schuss zerstört er das gerade angebrachte Schloss. Das zum Vorschein kommende Wesen verbrennt unter hysterischem Gekreische unter der gleißenden Nachmittagssonne.

So beginnt DAYLIGHT’S END, und diese atmosphärisch schon fast grandiose Exposition führt in ein altbekanntes Filmszenario ein, das im vorliegenden Vertreter allerdings – im Gegensatz zu einer Menge Schrott, der sich im Laufe der seit einigen Jahren hartnäckig haltenden Zombie- und Vampir-Welle angesammelt hat – spannend und kurzweilig aufbereitet wurde. Das erste gesprochene Wort nach gut zehn Minuten Filmlaufzeit ist „Scheiße“. Und das bringt die Situation, in der sich die Hauptfigur Rourke (Johnny Strong) und der Rest der Menschheit befinden, ziemlich genau auf den Punkt.

Denn einige Jahre zuvor fegte eine aggressive Seuche über den Erdball und verwandelte ihre Opfer in blutgierige Zombies. Die wenigen Überlebenden kämpfen mit jedem weiteren Tag ums nackte Überleben und darum, nicht gebissen und in eine der seelenlosen Kreaturen verwandelt zu werden. Der einzige und entscheidende Schwachpunkt der sabbernden und rasend schnellen Bestien ist ihre Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht. Tagsüber hat man also seine Ruhe vor den „Zompiren“, dafür müssen sich Rechtschaffene mit plündernden und mordenden Banden herumplagen.
Mitten in einem menschenleeren Nest platzt der rastlos umherziehende Einzelgänger Rourke (Johnny Strong) in eine solche Auseinandersetzung und rettet dabei das Leben von Sam (Chelsea Edmundson), die mit ihren Weggefährten gerade auf Patrouille war und ihm daraufhin anbietet, Unterschlupf bei ihresgleichen zu suchen. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg in die Großstadt, wo sich ein wilder Haufen unter der Führung des misstrauischen Ex-Cops Frank (Lance Henriksen) in einem Gefängniskomplex eingerichtet hat und Nacht für Nacht sein gut gesichertes Fort vor den Angriffen der Vampir-Zombie-Aggressoren verteidigt. Doch das ist nur eine Zwischenstation, denn Sam berichtet von einem Flugzeug, das sie während ihrer Kundschafter-Tour gefunden hatten...

Mad Max meets Zombies

Wie schon erwähnt, geht es eingangs in DAYLIGHT’S END sehr wortkarg zu. Der maulfaule Antiheld Rourke in seinem rostig-röhrenden Wagen Marke Eigenbau lässt nicht nur aufgrund seiner fehlenden Konversationsstärke deutliche Parallelen zu Max Rockatansky, besser bekannt als Mad Max, zu. Vor allem zu Beginn besticht das ambitionierte B-Movie durch eine ungewöhnlich poetische Bildsprache mit atmosphärisch aufgeladenen Bildern, die sich in Aufbau und Farbgebung klar am aktuellen Vorbild "Mad Max: Fury Road" orientieren.

Auch auf inhaltlicher Ebene bedient sich DAYLIGHT’S END geschickt bei anderen Genrevorbildern und durchstreift dabei die ganze Filmgeschichte der Zombie-Vorgänger, wie beispielsweise dem Ur-Klassiker "Zombie", "The Walking Dead" oder "Resident Evil". Später im Gefängnis, in dem die Überlebenden ähnlich einem Fort Unterschlupf gegen die Invasoren von außerhalb suchen, erinnert er stellenweise sogar an John Carpenters Klassiker "Assault – Anschlag bei Nacht". Die Inspirationen für diesen Apokalypse-Western waren scheinbar vielfältiger Natur und sind zugegebenermaßen ziemlich geschickt miteinander verwoben.

Johnny Strong („The Fast & The Furious“), der sich für DAYLIGHT’S END für die Hauptrolle zur Verfügung stellte, schrieb und spielte auch den Score ein. Das Multitalent, das darüber hinaus auch noch in mehreren Kampfsportarten ausgebildet ist, ist also nicht nur vor der Kamera eine wahre One-Man-Show. Die Rolle des wortkargen Einzelgängers bringt er mit Physis und Mimik glaubhaft an den Zuschauer.
Obwohl kein Multi-Millionen-Dollar-Budget wie bei Hollywood-Flagschiffen des Genres wie "World War Z" zur Verfügung stand, ist Kaufman und Strong ein bemerkenswert inszenierter Zombie-Reißer gelungen. Die Action wirkt präzise und technisch sauber inszeniert. Die Shootouts und Hetzjagden in der klaustrophobischen Enge der Gefängnisflure sind rasant geschnitten, aber übersichtlich, denn auf allzu wackelige Bilder wurde glücklicherweise verzichtet.

Die löbliche Ausnahme


Der Action-Anteil ist das, was DAYLIGHT’S END ab seiner zweiten Hälfte hinsichtlich seiner Story- und Figurenentwicklung ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt. Zum Glück sorgt der sehr atmosphärische und stimmige Soundtrack von Hauptdarsteller Johnny Strong dafür, dass in puncto Atmosphäre – ganz besonders in ruhigeren Momenten – die Emotionen  punktgenau wirken. Auch hier könnte man exzellente Vorbilder erahnen, denn die Musik findet sich irgendwo zwischen den Endzeit-Schockern "28 Days Later" und "Book Of Eli" wieder. Die Symbiose trister Bilder zu einer deprimierenden und emotional aufwühlenden Tonspur funktioniert auch in DAYLIGHT’S END sagenhaft gut.

Kult-Nebendarsteller Lance Henriksen konnte bereits vor knapp 30 Jahren Erfahrung im Vampir-Schocker "Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis" von Kathryn Bigelow sammeln. Damals wie heute mimt er den charismatischen Anführer. Diesmal allerdings nicht als Blutsauger-Patriarch, sondern als misstrauische und knallharte Vaterfigur für den spärlichen Rest der menschlichen Rasse. Von seiner kühlen Leinwandpräsenz profitiert auch DAYLIGHT’S END. Witzige Anekdote am Rande: Einer von Franks engsten Vertrauten hört auf den Namen Bishop. Filmbegeisterte werden sofort an Henriksens wohl berühmteste Rolle des gleichnamigen Androiden in "Aliens" und "Alien³" denken müssen.

Unzählige Endzeit-Visionen versuchten in den letzten Jahren teilweise vergeblich, mit geringem, aber auch mit großem Budget, im hart umkämpften Blutsauger- und Untoten-Genre Fuß zu fassen. Hier ist einer der bemerkenswerteren Vertreter: DAYLIGHT’S END ist ein großer Lichtblick im Genre-Dunkel.

TORSTEN FELIX

Titel: DAYLIGHT’S END

Land/Jahr: USA 2016

Label: EuroVideo

FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 105 Min.

Verkaufsstart: veröffentlicht

Montag, 22 August 2016 11:05

Todesstrafe für Falschparker?

Das Gesetz selbst in die Hand nehmen – Machtfantasie oder letztes Mittel des verzweifelten Bürgers? Steven Seagal widmet sich diesem Thema in seinem neuen Film CODE OF HONOR, den EuroVideo nun auf DVD, Blu-ray und VoD veröffentlicht.

In Zeiten von allgegenwärtigem Terror und gefühlter oder tatsächlich zunehmender Gewalt auf den Straßen fragt man sich manchmal, ob die Polizei überhaupt noch in der Lage ist, für Sicherheit zu sorgen. Rufe nach Selbstjustiz sind dabei nichts Neues. Auch filmisch ist Selbstjustiz ein gern gewähltes Motiv, führt sie den Zuschauer doch in eine moralische Zwickmühle. Persönlichkeiten wie „Max Payne“ oder der „Punisher“ sind wohl den meisten Cineasten bekannt. Gerade Frank Castle, der Punisher, fragt in seinen Comics des Öfteren nach dem Unterschied zwischen „Gerechtigkeit“ und „Bestrafung“. Zu dieser feinen Unterscheidung kommt es in Steven Seagals neuem Actionthriller CODE OF HONOR gar nicht erst.

Seagal mimt dabei Colonel Sikes – einen Kommandosoldaten auf Rachefeldzug. Warum? Eigentlich unerheblich, aber passiert ist Folgendes: Sikes‘ Familie geriet zufällig in eine Schießerei von Gangstern. Seine Frau starb sofort, sein Sohn kurz darauf an seinen Verletzungen. Für Sikes eindeutiges Indiz dafür, dass die Regierung unfähig ist, die Sicherheit in seiner Stadt zu garantieren, und Grund genug, sämtliche Bösewichte ebenda umzulegen. Umgesetzt wird das Ganze regelmäßig aus sicherer Entfernung mit einem Gewehr.

Gut für Seagal – denn ihm passt die Rolle des meist stummen Rächers wie angegossen. Zu Gesprächen kommt es lediglich mit William Porter (Craig Sheffer), einem ehemaligen Kameraden von Sikes, der mittlerweile augenscheinlich beim FBI arbeitet. Dieser ist Teil des Teams aus Ermittlern, das sich mit Sikes‘ Spur aus Leichen beschäftigt. Er kann die Ermittlungen so einigermaßen beeinflussen und immer die aktuellen Informationen abziehen. Bemerkenswert: trotz (oder gerade wegen) Sikes‘ Brutalität finden dessen Taten hohen Zuspruch in der Bevölkerung. Wohl auch weil er in Sachen Selbstjustiz nicht diskriminiert: egal ob Neonazis, Biker, mexikanische Drogenhändler oder Schwarze, Seagal ist immer vor Ort. Und jede Konfrontation bietet dabei äußerst solide Action und gut choreografierte Kampfszenen. Denn trotz seines Alters und seiner mittlerweile sehr stattlichen Erscheinung kann Seagal noch immer gut austeilen. Was nachvollziehbar ist, denn den siebten Dan in Aikido erreicht man nicht einfach so, und Seagal demonstriert seine Fähigkeiten äußerst gerne und eindrücklich.
Seagal ist im echten Leben außerdem ehrenamtlicher Hilfspolizist in Louisiana, sein Bezug zum Gesetz ist damit ausgeprägter als bei manch anderem Hollywood-Schauspieler. Umso bemerkenswerter, dass er (der gleichzeitig Produzent des Films ist), hier einen Abstecher in den rechtsfreien Raum macht. Gleichwohl werden seine Eskapaden nicht unkommentiert gelassen. Wer entscheidet, welcher Kriminelle umgelegt werden darf und welcher nicht? Sikes allein? Wann ist Schluss? Was passiert, wenn es keine Verbrecher mehr gibt? Gibt es dann die Todesstrafe für Falschparker? Fragen, die tatsächlich (mehr oder weniger zu recht) gestellt werden. Und so bietet sich dem Zuschauer trotz aller Action ein Film, der – und das ist selten im Genre – zum Nachdenken anregt. Es ist also für fast jeden etwas dabei. Fans von Seagal kommen garantiert auf ihre Kosten, und Fans von deftiger Action werden ebenfalls bedient.

Insgesamt ein optimaler Film für einen Abend mit Freunden und Bier, die Seagal Vollgas geben sehen wollen. Und sollten seine Fans nach CODE OF HONOR noch nach Nachschlag gieren: Seagal hat noch einen weiteren neuen Film in petto: unterwegs als Scharfschütze in Afghanistan lässt es Seagal in „Sniper: Special Ops“ (erscheint ab 8. September bei EuroVideo im Heimkino) weiter krachen.

JAN SIEBERT

Titel: CODE OF HONOR
Land/Jahr: USA 2015
Label: EuroVideo
FSK & Laufzeit: ab 18, ca. 106 Min.
Verkaufsstart: veröffentlicht

Seite 1 von 20

Our Blog

Lorem ipsum dolor sit amet, consetetur sadipscing elitr, sed diam nonumy
eirmod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat.